Typ 2 Diabetes ist eine Krankheit, die leider zunimmt. Allein in Deutschland rechnet man damit, dass es etwa 5 Millionen Diabetiker gibt. Weshalb ein Mensch Typ 2 Diabetes entwickelt, ist nicht ganz geklärt, aber die meisten scheinen sich einig zu sein, dass dazu eine genetische Vorbelastung und darüber hinaus eine stark zucker- oder stärkehaltige Ernährung erforderlich ist, um die Krankheit ausbrechen zu lassen.
Ich selbst hatte einen Großvater, der an Diabetes erkrankte. Solange man jung ist und auch noch eine Weile bis ins Erwachsenenalter, hält man sich selbst im Prinzip für immun gegen Krankheiten. Ich war sicherlich dick, aber damit konnte ich leben. Schlussendlich kam der Tag an dem ich in meinen fortgeschrittenen 40ern erleben musste, wie der Durst nach Wasser sich von etwas, was ich für gut hielt, zu einer Plage wandelte.
Wir haben ja gelernt, dass es gut ist, viel Wasser zu trinken, es soll offenbar den Körper auf irgendeine Weise reinigen. Letztlich steigert sich dieser Durst so sehr, dass es wie eine Droge wird. Man trägt die Wasserflasche ständig bei sich und möchte nicht zu weit von einer Toilette entfernt sein, da der „Wasserumsatz“ sehr hoch ist.
Da ich nicht sonderlich viel über Diabetes wusste, dauerte es lange, bevor ich ärztlichen Rat suchte. Aber das tat ich nicht wegen des Durstes, sondern weil ich kein Gefühl mehr in einer Ferse hatte. Die Hauptsache war dennoch, dass ich dadurch herausfand, was mit mir nicht in Ordnung war.
Man verschrieb mir Metformin und Sulfonylharnstoff-Tabletten (SH-Tabletten). Metformin ist ein gutes Medikament, das die Leber daran hindert unnötig viel Zucker ins Blut abzugeben. Das Problem eines Diabetikers ist ja, dass der Blutzucker leicht zu hoch wird, so hoch, dass der Körper daran Schaden nehmen kann. Das andere Medikament, die Sulfonylharnstoff -Medizin, wringt das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, was wiederum den Blutzucker senkt.
Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass es nicht sonderlich förderlich für eine ermattete Bauchspeicheldrüse sein kann, dazu getrieben zu werden, noch mehr Insulin von sich zu geben und der Gedanke ist völlig richtig. Insulin hindert den Körper daran, Körperfett zu verbrennen und sorgt außerdem dafür, dass Fett noch leichter am Körper eingelagert wird.
Der Punkt ist, dass angenommen wird, dass ein Diabetiker einen niedrigeren und gesünderen Blutzuckerspiegel erreicht, wenn das Körperfett gemindert wird.
Nimmt man nun ein Medikament, welches die Insulinausschüttung erhöht, führt es also dazu, dass man dicker wird. Daher erhöht sich auf Dauer der Blutzuckerspiegel, zum Schluss muss man Insulin spritzen und wird dadurch – wenn überhaupt noch möglich – noch dicker.
Ein perfektes Beispiel für einen Teufelskreis.
Meine Ärztin meinte nach etwas mehr als einem Jahr, dass ich während der Mittagszeit einen zu hohen Blutzucker hatte. Es war mir geglückt eine Weile ohne SH-Tabletten leben zu können, jetzt war ich wieder gezwungen sie einzunehmen. Ich wusste, dass der nächste Schritt die Insulinspritzen sein würden und das wollte ich vermeiden.
Ich hielt mich an der Tatsache fest, dass eine Gewichtsreduktion den Blutzuckerspiegel senken könnte.
Also war es nun sehr wichtig, abzunehmen. Ich hatte jedoch ein großes Problem. Ich aß, wie man es mir riet, aber eine sonderlich erwähnenswerte Abnahme hatte ich nicht zu verzeichnen.
Die gängigste Definition von Irrsinn ist: „Man wiederholt immer wieder das selbe Verhalten und erwartet aber jedes Mal ein unterschiedliches Ergebnis.“ (Anm.:„Insanity is defined as repeating the same behavior and expecting a different result“ – Man Vermutet, dass der Urheber dieser Aussage Albert Einstein war, es besteht aber eine große Uneinigkeit diesbezüglich)
Ich wäre also verrückt gewesen, wenn ich weiterhin fettarm und ballaststoffreich gegessen hätte. Also begann ich genau das Gegenteil zu tun. Ich begann fettreich zu essen. Dadurch mindert sich automatisch die Kohlenhydratmenge. Kohlenhydrate sind es, die einen Diabetiker krank machen.
Auf diese Weise normalisierte ich meinen Blutzucker innerhalb weniger Tage und war „gezwungen“, die SH-Tabletten abzusetzen. Sonst wäre mein Blutzuckerspiegel zu niedrig gewesen.
Meine Ärztin kratzte sich am Kopf als ich ihr berichtete, was ich getan hatte. Sie fragte: „Was, sagtest du, hast du gefrühstückt?“ Ich erzählte von meinen Eiern und meinem Bacon und sie schüttelte den Kopf als sie sich meine Blutergebnisse ansah, die alle besser geworden waren.
Seitdem sind haben viele Diabetiker in Schweden angefangen, es genau anders herum zu machen. Und mittlerweile hat Socialstyrelsen (Anm.: das höchste schwedische Amt bzgl. Gesundheitsfragen) eine moderate LCHF-Ernährung für Diabetiker anerkannt. Die strengere Variante, die wirklich einen Unterschied ausmachen würde, wagt man sich aber noch nicht vollends zu unterstützen. Und das obwohl die traditionellen Ernährungsempfehlungen für Diabetiker auf sehr brüchiger Grundlage stehen, wenn das überhaupt als eine Grundlage bezeichnet werden kann. Die Ernährungsempfehlungen für Diabetiker entwickeln sich in Schweden also in die richtige Richtung.
Hoffentlich kommt diese Einsicht auch bald in Deutschland an!
Lars-Erik Litsfeldt
PS. Ich vergaß ja die Abnahme. Ich nahm in zwei Monaten 10 Kilo ab, ohne auch nur eine Minute hungrig zu sein. Der Blutzuckerspiegel war dennoch das Wichtigste.
Anmerkung: Lars-Erik Litsfeldt ist einer der Vorreiter der schwedischen LCHF-Bewegung. Er hat mittlerweile eine vielfältige Anzahl von Diabetesbüchern und LCHF-Kochbüchern verfasst. Er hält kontinuierlich auch Vorträge zum Thema LCHF und Diabetes.