Frank Linnhoff: Diagnose Typ-2-Diabetes

Diagnose Typ-2-Diabetes, und nun? Vor dieser Frage stand Frank Linnhoff Anfang des Jahres 2015. Aus der eigenen Familie war ihm bekannt, welche Folgen diese Krankheit nach sich ziehen kann. Er fragte sich, was wohl geschehen würde, wenn er sich an die Ernährungsempfehlungen halten würde, die Diabetikern mit auf den Weg gegeben werden. Nachdem er sich umfassend informiert und diverse Versuche am eigenen Körper gemacht hat, stand für ihn fest: LCHF ist sein Weg, den Diabetes in Griff zu bekommen. 



Diagnose Typ-2-Diabetes

Ein sonniger, milder Wintertag in diesem gerade begonnen Jahr 2015. Soeben hatte mir der Postbote den Brief vom Labor in die Hand gedrückt. Ich öffnete den Umschlag und las: Nüchtern-Blutzucker 450 mg/dl. Es traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Diabetes!

Mein Vater hatte seit seinem 60. Lebensjahr Insulin gespritzt. Dabei hatte er häufig an Unterzuckerung gelitten und während der letzten Lebensjahre kaum mehr als 20 Schritte gehen können, bevor ihn heftige Schmerzen in den Beinen zwangen, sich zu setzen. Folgen des Diabetes. Mein Bruder trug während seiner 10 letzten Lebensjahre eine Insulinpumpe, war regelmäßig in der Diabetesabteilung des Kreiskrankenhauses in Behandlung. Er litt unter offenen Wunden an den Füßen, ein Fuß musste amputiert werden. Folgen des Diabetes.

Information tut Not!

Ich fühlte mich nicht gut. In dieser Stimmung begann ich, mich über Typ-2-Diabetes schlau zu machen. Dazu las ich Fachartikel auf den Websites von internationalen Diabetesgesellschaften und gewann dabei den Eindruck, dass alle voneinander abgeschrieben hatten. Gelangte daraufhin auf die Website des englischen Arztes Barry Groves und anschließend auf die Website des schwedischen Arztes Andreas Eenfeldt. Als nächstes hörte ich auf YouTube einen sechsstündigen Vortrag des kanadischen Arztes Jason Fung über die "Ätiologie des Diabetes" und zum Abschluss den fulminanten Vortrag der amerikanischen Ärztin Sarah Hallberg mit dem Titel "reversing type-2-diabetes starts with ignoring the guidelines".

Alle offiziellen Diabetesgesellschaften sagten dasselbe: Typ-2-Diabetes ist eine unheilbare chronische Krankheit. Aber alle vier Ärzte sagten, dass Typ-2-Diabetes mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährungsweise kurierbar ist.

Daraufhin kaufte ich ein Blutzucker-Meßgerät und aß von nun an LCHF (Low Carb High Fat). Was hatte ich zu verlieren?

Der Diabetes schwindet

Innerhalb von 3 Tagen einer streng kohlenhydratarmen und fettreichen Kost sank mein Nüchtern-Blutzucker von 450 mg/dl auf unter 200 mg/dl.

Versuch mit der Standard-Empfehlung

Euphorisch stürzte ich mich als nächstes in einen Selbstversuch und aß zu diesem Zweck das Musterfrühstück für Typ-2-Diabetiker nach den VIS-Leitlinien des bayrischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz: 1 Mehrkornsemmel, 1 Scheibe Knäckebrot, 8 g Streichfett, 1 Scheibe Edamer 30% F. i. Tr., 1 Gurke, 1 Teelöffel Erdbeerkonfitüre. Das Ergebnis: Blutzucker vor dem Frühstück 180 mg/dl, eine Stunde danach 285 mg/dl, zwei Stunden danach immer noch 270 mg/dl.

Im Vergleich dazu ein Versuch mit LCHF

Am folgenden Tag aß ich hingegen ein "englisches Frühstück": Rührei von 3 großen Eiern in viel Butter angemacht, dazu 3 Streifen Frühstücksspeck. Das Ergebnis: Blutzucker vor dem Frühstück 180 mg/dl, eine Stunde danach 190 mg/dl, zwei Stunden danach 180 mg/dl.

Ein niederschmetterndes Ergebnis für das bayrische Diabetikerfrühstück, ein haushoher Sieg für das englische Frühstück - nach Barry Groves "der gelungenste Beitrag der englischen Kochkunst zur internationalen Esskultur".

Mein letzter Versuch

Den Beitrag meiner Wahlheimat Frankreich zur internationalen Frühstückskultur, bestehend aus 1/2 Baguette mit reichlich Konfitüre, 1 Glas Orangensaft und 1 große Tasse gezuckerten Milchkaffee, habe ich dann doch nicht getestet, da Fürchterliches ahnend.

Stattdessen testete ich in selbiger Nacht die Diabetiker-Spätmahlzeit des schon zitierten bayrischen Staatsministeriums: 1 ungeschälter mittelgroßer Apfel von 110 g.

Mein Blutzucker schoss hoch bis unter die Zimmerdecke. Resultat: zu Mitternacht saß ich aufrecht und hellwach im Bett! Hiermit endete mein Ausflug in die Welt der schulmedizinischen Diabetesdiät. Stattdessen kehrte ich zurück zur strikt kohlenhydratarmen und fettreichen LCHF-Kost.

Mit LCHF kam endlich Ruhe in den Blutzuckerspiegel

Am Tag des Arzttermins war der Nüchtern-Blutzucker schon auf 160 mg/dl gesunken. Mein Arzt freute sich über die Ergebnisse, riet mir, so weiterzumachen, verschrieb mir Metformin und Lebertran. Metformin vertrug ich nicht und setzte es ab.

Nach 2 Wochen war der Nüchtern-Blutzucker auf 145 mg/dl, nach 4 Wochen auf 120 mg/dl, nach 8 Wochen auf stabile 100 mg/dl gesunken. Selbst nach den Mahlzeiten stieg er nie über 130 mg/dl und fiel nie unter 95 mg/dl. Es hatte sich schon nach 2 Wochen eine stabile Ketose mit 4-5 mmol/L Ketonkörper im morgendlichen Urin eingestellt.

Der Diabetes war erstaunlich schnell verschwunden. Mein Bauchumfang schrumpfte dabei schon um 10 cm, bevor ich das erste Kilo an Gewicht verlor. Tatsächlich purzelte erst 2 Monate nach meiner Ernährungsumstellung das erste Kilo. Seitdem nehme ich jedoch stetig ab.

Ich zähle keine Kalorien. Zu Beginn aß ich 3 mal täglich, aber nach 2 Monaten in Ketose nur noch 2 mal täglich, da ich bis mittags gesättigt bin. Hungergefühl zwischen den Mahlzeiten kenne ich nicht mehr. Ich schlafe gut, bin geistig wach, zudem heiter und ausgeglichen. Generell fühle ich fühle mich so fit, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ich radle wieder mit Freude längere Strecken, mache lange Spaziergänge, tanze und singe. Das Leben meint es gut mit mir.

Wie entsteht Typ-2-Diabetes?

Als zuckerkrank gilt jemand, dessen Nüchtern-Blutzucker 125 mg/dl übersteigt. Über 90% der Zuckerkranken haben Typ-2-Diabetes. Dieser entsteht durch das Essen von zu viel Kohlenhydraten bei Insulinresistenz.

Das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin bewirkt bei gesunden, insulinsensitiven Menschen, dass die Glukosemoleküle, welche durch die Verdauung der Nahrung, die reich an Kohlenhydraten ist, ins Blut gelangt sind, unverzüglich in die verschiedenen Körperzellen eintreten. Dort wirken sie als Brennstoff.

Bei Insulinresistenz ist dieser Vorgang gestört. Die Körperzellen lassen in dem Fall Glukose nur widerwillig herein und reagieren kaum auf Insulin. Der Zucker verbleibt daher im Blut, worauf die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Der Insulinspiegel steigt. Je höher der Insulinspiegel, um so mehr wächst im Laufe der Zeit die Insulinresistenz und um so mehr Insulin wird produziert… Ein Teufelskreis.

Oft funktioniert dieses Spiel über Jahrzehnte, ohne dass der Nüchtern-Blutzucker über 125 mg/dl ansteigt, obwohl er nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten (typisch für "gesunde Mischkost") weit über 200 mg/dl hinausschießt und über Stunden dort verbleibt. Dieses Stadium ist schon eindeutig eine "Zuckerkrankheit", eine folgenschwere Störung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels mit zu viel Insulin und zu viel Glukose im Blut. Ein ständig zu hoher Insulinspiegel führt zu hohem Blutdruck, Leberverfettung und Fettleibigkeit.

Gesunder Menschenverstand

Typ-2-Diabetes trat noch vor 100 Jahren sehr selten in Europa auf. Ärzte, deren Patienten aus dem "einfachen Volk" stammten, hatten nicht selten keinen einzigen zuckerkranken Patienten behandelt, wenn sie in Pension gingen. Vor 50 Jahren waren schon etwa 2% der deutschen RentnerInnen zuckerkrank, heutzutage sind es 20% und mehr, davon besonders betroffen die "einfachen" Leute.

Obwohl es vor 100 Jahren noch kein Fremdinsulin gab, gelang es den damaligen Ärzten durchaus, die Zuckerkrankheit ihrer Patienten erfolgreich zu behandeln: durch eine kohlenhydratarme und fettreiche Diät.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Grossvater bis zu seinem Tode 1957 seine Zuckerkrankheit allein mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährungsweise voll im Griff hatte. Er machte keinen Sport, verbrachte seine Tage im Garten, machte sonntags mit seinen Enkelkindern einen geruhsamen Spaziergang bis in den Waldgasthof, wo er gern Sauerkraut mit Schweinebauch und einen Schoppen Moselwein bestellte, später mit seinen Sangesbrüdern "am Brunnen vor dem Tore" anstimmte, was wir Kinder echt peinlich fanden.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung schreibt zum Thema Ernährung:

"Früher, als die Therapiemöglichkeiten der Diabetiker noch nicht so flexibel waren wie heute, gab es eine spezielle Diabetesdiät. Diese gibt es heute nicht mehr, die Ernährung der Diabetiker sollte eine gesunde Mischkost sein - so wie sie jeder Mensch essen sollte. Der einzige Unterschied besteht für Typ-2-Diabetiker darin, dass sie wegen ihres meist bestehenden Übergewichts auf den Kaloriengehalt achten sollen. Beim Kochen sollte die verwendete Fettmenge möglichst gering ausfallen und andere fettreiche Lebensmittel sollten nur in geringer Menge eingesetzt werden. Eine fleischarme Ernährung mit viel Gemüse, Salat und Vollkornprodukten ist sinnvoll."

Die "gesunde Mischkost" für Diabetiker soll nach den evidenzbasierten Leitlinien der Deutschen Diabetischen Gesellschaft 50-60% Kohlenhydrate enthalten. Sehr befremdlich, wenn man bedenkt, dass Typ-2-Diabetes die Folge von Glukose-Intoleranz ist.

Da folge ich doch besser meinem gesunden Menschenverstand.