aus dem schwedischen übersetzt von Kostdoktorn
Die Abbildung zeigt die Verbreitung von Diabetes weltweit für das Jahr 2007. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sich diese Epidemie immer stärker aus. Circa 10 % der westlichen Bevölkerung leidet bereits an Diabetes und die Prognosen stehen auf eine schnelle Verschlechterung der Situation.
Wie konnte es soweit kommen? Bevor die moderne Ernährung der westlichen Länder Einzug nahm, war es sehr schwer auch nur einen einzigen Diabetiker zu finden!
(Quelle:bilder von IDF. Weiteres: die Anzahl der Diabetiker in den USA hat sich in den letzten 11 Jahren verdoppelt!)
Was ist Diabetes?
Diabetes ist der Oberbegriff für verschiedene Stoffwechselkrankheiten. Alle gemeinsam ist, dass der Zuckergehalt des Blutes, bzw. der Blutzucker zu hoch ist.
Wie wird Diabetes diagnostiziert? *
Diabetes mellitus liegt vor, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist (Glukose jeweils gemessen im Blutplasma):
- Nüchternblutzucker ≥ 7 mmol/l (126 mg/dl)
- Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl) zwei Stunden nach der Gabe von 75 g Glukose, (oraler Glukose-Toleranztest – oGTT)
- Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl) und sonstige Anzeichen für Diabetes, wie beispielsweise starker Durst (Polydipsie) und häufiges Wasserlassen (Polyurie) oder unerklärlicher Gewichtsverlust.
Typ 1 Diabetes
Typ 1 Diabetes – früher auch als ”Jugenddiabetes (?)” bezeichnet – bedeutet, dass der Körper nicht mehr ausreichende Mengen des notwendigen, blutzuckersenkenden Hormons Insulin produzieren kann. Normalerweise sind zu diesem Zeitpunkt die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse aufgrund von Autoimmunreaktionen bereits abgestorben.
Typ 1 Diabetes wird behandelt, indem man durch Injektionen dem Körper das benötigte Insulin zuführt.
Je mehr Kohlenhydrate man verzehrt, desto größere Insulindosen werden benötigt. Dies hat meistens zur Folge, dass der Blutzuckerspiegel schwieriger zu kontrollieren ist. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass eine geringere Menge Kohlenhydrate in der Ernährung es erleichtert den Blutzuckerspiegel auf einem stabilen und normaleren Niveau zu halten.
Typ 2 Diabetes
Typ 2 Diabetes – früher auch als ”Altersdiabetes” bezeichnet – bedeutet, dass die Körperzellen eine verringerte Sensitivität für Insulin haben. Es wird daher mehr und mehr Insulin benötigt, um dessen blutzuckersenkenden Effekt zu erhalten.
Typ 2 Diabetes ist die meist verbreitete Form von Diabetes (ca 95 %) und tritt häufig im Zusammenhang mit Übergewicht und Fettleibigkeit im Bauchbereich auf.
Typ 2 Diabetes wird vorzugsweise durch geeignete Ernährung sowie körperliche Bewegung behandelt. Eine Gewichtsreduktion ist sehr positiv und kann im besten Fall auch zu einem normalisierten Blutzucker führen. Ernährungsempfehlungen sind sehr kontrovers; am wichtigsten scheint jedoch die Begrenzung der Menge des Kohlenhydratanteil in der Nahrung zu sein, denn es sind die Kohlenhydrate, die zu Zuckerarten aufgespalten werden und den Blutzucker erhöhen.
Wenn eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zur Blutzuckerregelung nicht ausreicht, werden zusätzlich Medikamente in Tablettenform – (meist Metformin, es gibt jedoch noch weitere) gegeben. Weit fortgeschrittener Diabetes Typ 2 kann dazu führen, dass sich die körperliche Insulinproduktion stark nachlässt. Letztendlich muss dann Insulin gespritzt werden. Vermutlich wird jedoch diese Behandlungsweise manchmal voreilig eingesetzt – was schädlich sein kann und gewöhnlich zu einer unerwünschten Gewichtszunahme führt.
Ungewöhnlichere Diabetesformen
Außer Typ 1 und Typ 2 gibt es ein paar weitere Diabetesformen: anLADA-diabetes, einem nicht ganz ungewöhnlichen Diabetestyp, bei dem es sich um eine Zwischenform von Typ 1 und 2 handelt, erkranken ca. 10% aller Typ 2 Diabetiker. Wie beim Typ 1 sind Antikörper, die die insulinproduzierenen Betazellen angreifen, vorhanden. LADA tritt später im Leben auf als Typ 1 und entwickelt sich langsamer.
MODY-diabetes ist eine ungewöhnlichere Diabetesform, die auf einer genetischen Abweichung beruht.
Diabeteskost

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wusste man genau wie ein Diabetiker sich ernähren sollte, um gute Blutzuckerwerte zu bekommen. Weniger Kohlenhydrate – die im Magen zu Zucker umgewandelt werden und somit den Blutzuckerspiegel erhöhen. Mehr Fleisch, Fisch, Eier und natürliches Fett – das den Blutzucker nicht erhöht.
Einfach und logisch, nicht wahr?
Insulin und die Angst vor natürlichem Fett
Nachdem Insulin auf künstlichem Wege hergestellt werden konnte gerieten diese Kenntnisse teilweise in Vergessenheit. Im übermäßigen Vertrauen auf das Neue scheint man geglaubt zu haben, dass Diabetiker sich ohne Probleme eine unbegrenzte Menge an Insulin spritzen könnten, um somit den Blutzucker wieder zu normalisieren. Plötzlich war es kein Problem mehr, vermehrte Mengen an blutzucker-erhöhenden Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Erkenntnisse aus Studien und aus der Praxis zeigen jedoch, dass Insulin in Überdosen negative Langzeiteffekte hat.
Insulin im Übermaß fördert nicht nur die Gewichtszunahme und die Einlagerung von Körperfett, sondern birgt mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine ganze Reihe anderer Gefahren.
Die (mittlerweile als falsch bewiesene) Theorie, dass natürliches Fett gefährlich sei, hat das Problem noch verstärkt. Die Folge war, dass Diabetiker den Rat bekamen, weniger Fett und mehr Kohlenhydrate zu essen. Also genau davon, was im Körper zu Zucker abgebaut wird und den Blutzuckerspiegel erhöht!
Das Ergebnis war alles andere als positiv. Als „Normal“ bei Diabetes Typ 2 wird nun eine schrittweise, jährliche Verschlechterung angesehen. Man bezeichnet dies sogar als „natürlichen“ Krankheitsverlauf. Aber wieso soll es „natürlich“ sein, dass immer mehr an Diabetes erkranken und die bereits Erkrankten immer kränker werden?
Alte, erprobte Empfehlungen oder Lobbyismus?
“Diabetic Cookery” aus dem Jahre 1917, Zum Vergrößern anklicken.
Lesen Sie doch einmal in diesem Kochbuch für Diabetiker aus dem Jahre 1917. Speziell ab der Seite 9 wo von geeignetem Essen (z.B. Fleisch, Fisch, fettes Essen) und Seite 13 wo von „stengstens verbotenem“ Essen (kohlenhydratreiches Essen) die Rede ist.
Was würde passieren, wenn man anstelle der kohlenhydratgespickten Empfehlungen wie sie zur Zeit in den farbenfrohen Gratisbroschüren der insulinherstellenden Pharmaunternehmen zu finden sind, an alle Diabetiker eine aktualisierte Version dieses Kochbuchs verteilte.
Machen die Unternehmen das, um nett zu sein? Die Empfehlungen bzgl. kohlenhydratreicher Ernährung führen dazu, dass ein Diabetiker mehr Insulin braucht; und ein Jahresverbrauch an Insulin kostet gut und gerne 1.000 € oder mehr.
Verändung in Sicht
Wir wissen eigentlich schon sehr lange wie Diabetiker essen sollten, um den Blutzucker stabil halten zu können. Die meisten (diejenigen, die es eigentlich besser wissen sollten) haben es einfach nur vergessen. Glücklicherweise scheint die Entwicklung wieder in die richtige Richtung zu gehen. Im Januar 2008 hat die oberste schwedische Gesundheitsbehörde (Socialstyrelsen) die kohlenhydratarme Ernährung für Diabetiker als gleichwertige Behandlungsweise anerkannt. Aktuell werden die Ernährungsempfehlungen in Schweden für Diabetiker überarbeitet. Auch die amerikanische Diabetesgesellschaft ADA hat in ihren Richtlinien seit 2008 die kohlenhydratreduzierte Kost für Diabetiker anerkannt.
Wie wirkt kohlenhydratarme Ernährung?
Typ 1 Diabetes

Obige Abbildung zeigt die Blutzuckerkontrollen einige Tage vor und nach dem Übergang zur kohlenhydratarmen Ernährung.
Die Daten stammen aus dieser Studie. Zum Vergrößern das Bild anklicken.
Beachten Sie vor allem wie viel stabiler der Blutzucker wird. Vorher bestehen starke Blutzuckerschwankungen; man beobachtet einen starken Anstieg nach kohlenhydratreichem Essen und starke Senkungen nach entsprechender Gabe von Insulin. Stattdessen weniger Kohlenhydrate zu verzehren und weniger Insulin zu verabreichen ergibt logischerweise viel geringere Schwankungen. Somit ist es einfacher einen normaleren Blutzuckerspiegel zu halten, ohne Nebeneffekte (Unterzucker) zu riskieren.
Typ 2 Diabetes
Obige Abbildung (klicken zum Vergrößern) zeigt eine große Anzahl von Blutzuckermessungen einer Typ 2 Diabetikerin während des ersten Halbjahres mit LCHF-Ernährung. Der blaue Bereich entspricht optimalen Blutzuckerwerten. Beachten Sie, dass nach nur wenigen Monaten kein einziger erhöhter Blutzuckerwert mehr gemessen werden konnte! Bereits nach drei Tagen konnte sie mit ihren Insulinspritzen aufhören (70E täglich) und hat im ersten Jahr mit LCHF mehr als 30 kg abgenommen.
Gewicht
Übergewichtige Diabetiker (sowohl Typ 1 als auch Typ 2) nehmen durch kohlenhydratreduzierte Kost regelmäßig an Fettgewicht ab.
Cholesterin
Was passiert mit den Bluttfettwerten wenn man weniger Kohlenhydrate und mehr Fett isst?
Tatsache ist, dass neuere Studien (im Gegensatz zu früheren Annahmen) zeigen, dass sich die Cholesterinwerte deutlich verbesserten.
Blutdruck
Durch kohlenhydratarme Ernährung verbessert sich meistens der Blutdruck. Dies erklärt sich zum Teil, wenn auch nicht ausschließlich, durch die Gewichtsabnahme.
Es berichten bereits viele darüber, dass sie weniger blutdrucksenkende Medikamente brauchen, da der Blutdruck zu sehr gesunken ist. Dies macht sich normalerweise durch Schwindelgefühle und Schwächegefühl bemerkbar.
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Vorsicht!
Für Diabetiker, die ihre Diabetes mit Insulin behandeln, ist es wichtig am Anfang, beim Übergang zur LCHF-Ernährung, den Blutzucker genau zu kontrollieren! Eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten führt normalerweise dazu, dass erheblich weniger Insulin gebraucht wird. Es ist daher wichtig, dass die Dosen ausreichend angepasst (gesenkt) werden, um einen Blutzuckerabfall zu vermeiden.
Insulin
Vorschlag von Dr. Vesti Nielsen (Internist, der sich auf kohlenhydratreduzierte Ernährung spezialisiert hat): Senken Sie die Insulindosis 25-30 % ab dem ersten Tag mit kohlenhydratreduzierter Ernährung. Kontrollieren Sie genau den Blutzucker und anpassen Sie die Dosis danach. Die meisten Patienten können die Dosis nach 3-6 Tagen halbieren.
Behandlung mit Tabletten
Auch die Dosis bei Diabetesbehandlungen durch Tabletten sollte möglicherweise nach einer Weile mit LCHF-Ernährung angepasst werden. Das Risiko der Unterzuckerung ist jedoch geringer als bei insulinpflichtigen Diabetikern. Bei der Behandlung durch andere Diabetesmedikamente sollte man trotzdem sicherheitshalber genaue Blutzuckerkontrollen nach der Ernährungsänderung vornehmen. Die Ausnahme hierbei sind Metformintabletten die kein Risiko der Unterzuckerung mit sich bringen.
Nehmen sie keine Diabetesmedizin (oder nur Metformin) brauchen Sie sich nicht wegen Unterzuckerung Sorgen zu machen.
Bei Unterzuckerung
Essen Sie unverzüglich etwas kohlenhydrathaltiges wie z.B. Obst oder ein Sandwich. Ein Glas Fruchtsaft oder Traubenzuckertabletten können auch gut funktionieren, denn dies erhöht den Blutzucker. Bei Unterzuckerung sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, die Medikamentendosis zu senken. Falls Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.
Weitere Informationen zu Diabetes
Studien
Ernährungstherapie bei Diabetes Typ 2 - Diabetesstudie von der Reha-Klinik Überruh (Dr. P. Heilmeyer)
Vortrag

Ausgezeichneter Vortrag über Diabetes und kohlenhydratarme Ernährung,
mit Mary C. Vernon, amerikanische Ärztin die sich seit langem schon auf diesem Gebiet spezialisiert hat.
Bücher

Das beste Buch über Diabetes (Typ 1 und 2) und kohlenhydratreduzierte Ernährung:
Dr Bernstein´s Diabetes Solution (2007).
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Dr. Bernstein erkrankte selbst vor 62 Jahren an Diabetes Typ 1. Er gehört zu den ersten, die für die genaue Selbstkontrolle des Blutzuckers propagierten, etwas das heute als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird. Sein Buch ist perfekt für diejenigen, die so viel wie möglich wissen wollen, wie man seinen Blutzucker mit kohlenhydratreduzierter Kost kontrollieren kann und vieles mehr. Es ist ein dickes Buch auf englisch. Einen Auszug daraus kann man auf seiner Homepage lesen.
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