Herz- Kreislaufkrankheiten

Herz Kreislaufbeschwerden

Das Metabolische Syndrom (”Krankheit der westlichen Welt”)

Aus dem schwedischen übersetzt und angelehnt an Kostdoktorn
Man med metabolt syndrom?

Das metabolische Syndrom (auch Syndrom X oder tödliches Quartett genannt) breitet sich immer weiter in der westlichen Bevölkerung aus. Bisher noch nicht weit bekannt aber dies wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft ändern.
Bisher wurde über deutliche Risikofaktoren für Herz- Kreislauferkrankungen gesprochen, welche sind:

  • Hoher Blutdruck
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Schlechte Blutfette

Auch Rauchen sowie psychosozialer Stress stellen mögliche Risikofaktoren dar.
Dies sind die sechs bekannten Faktoren, die das Risiko für Herzkrankheiten wie Herzinfarkte erhöhen.

Zusammenhang der Risikofaktoren

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat sich bei der Forschung immer weiter ein Phänomen heraus kristallisiert: Diese Risikofaktoren sind nicht rein zufällig in der Bevölkerung verteilt. Hat man einen dieser Faktoren, dann ist das Risiko groß, dass weitere dazukommen und viele Menschen haben leider alle Risikofaktoren zusammen.
Vorallem die ersten vier genannten hängen sehr oft zusammen. Hat man Übergewicht, ist z.B. das Risiko für erhöhten Blutdruck viel größer. Hat man Diabetes Typ 2 hat man meist auch schlechte Blutfettwerte, usw. Der Zusammenhang dieser Faktoren ist so deutlich, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass eine grundlegende Störung (Krankheit) im Körper vorliegt, das, was als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet wird.

Warum die Bezeichnung ”Krankheit der westlichen Welt”?

All diese Risikofaktoren haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Zuvor konnte bereits eine langsame Zunahme über einen längeren Zeitraum verzeichnet werden. Mittlerweile haben sie in der westlichen Welt epidemieartige Proportionen angenommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt die Ursache darin in der Lebensweise der westlichen Welt, für die unser Körper nicht angepasst ist. In Ländern wie z.B. China und Indien, die sich mehr und mehr unserer westlichen Lebensweise anpassen, können diese Krankheiten in immer größer werdendem Ausmaß registriert werden. Worin liegt die Ursache hierfür?
Die am meisten verbreitete Vermutung ist, dass die Grundstörung beim metabolischen Syndrom durch einen übermäßigen Verzehr von (leicht verdaulichen) Kohlenhydraten/Zucker ausgelöst wurde*. Die westliche Ernährung ist z.B. voll von raffiniertem Zucker und Mehl, etwas wovon wir Menschen während 99,9% unserer Entwicklungsgeschichte nicht, oder nur sehr wenig gegessen haben.
Dies führt zu hohem Blutzucker und somit zu einem hohen Insulinspiegel. Die Insulinausschüttung ist die natürliche Reaktion unseres Körpers, den Blutzucker so weit wie möglich auf einem normalen Niveau zu halten. Hohe Insulinspiegel wiederum können auf Dauer zu allen möglichen körperlichen Störungen führen, da ein Großteil der Zellen im Körper davon betroffen wird.
Dies kann mit großer Sicherheit zu Übergewicht, hohem Blutdruck und veränderten Blutfetten führen. Viele sind auch der Auffassung, dass dies auf Dauer zur Krebs- und Demenzentwicklung beiträgt. Desweiteren kann auch eine vergrößerte Prostata in diesen Zusammenhang gesetzt werden. Andere, beim metabolischen Syndrom gewöhnlich vorkommende Krankheiten, sind Fettleber, Beschwerden der Galle, PCOS und Gicht.
Der Körper kan also mit einer hohen Insulinausschüttung die übermäßige Zuckerbelastung ausgleichen und somit den Blutzucker innerhalb normalen Grenzen halten. Ein erhöhter Insulinwert kann jedoch auf Dauer zu oben genannten Problemen führen. Wird die Zuckerbelastung zu hoch oder dauert zu lange an, überschreitet dies das Vermögen des Körpers dies zu kompensieren, wobei der Blutzucker trotz hoher Insulinausschüttung zu hoch bleibt. Dann ist man auf dem Weg an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Definition ”metabolisches Syndrom”

Da es sich um ein relativ neues Forschungsgebiet handelt gibt es mehrere, unterschiedliche Definitionen bzgl. der Bezeichnung „metabolisches Syndrom“. Auch die Skala von „gesund“ zu „krank“ ist nicht einfach festzulegen. Daher ist die, zur Zeit am meist verbreitete Definition, folgende (ATP III):

Auftreten von mindestens drei der folgenden fünf Faktoren:

Taillenumfang:             >102 cm (Männer) oder >88 cm (Frauen)

HDL:                                <1,0 (Männer) oder <1,3 (Frauen)
Triglyceride:                 >1,7
Nüchternblutzucker:   >=6,1
Blutdruck:                     >130/85 oder arzneiliche BD-behandlung

Wie man leicht erkennen kann, ist es nicht besonders schwer diese Kriterien zu erfüllen. Hat man z.B. etwas Bauch und einen nicht ganz perfekten Blutdruck, so braucht es nur einen weiteren Faktor – etwas verschlechterte Blutfette oder einen erhöhten Blutzuckerspiegel.
Circa ein Drittel aller Amerikaner (bei den Europäern ist die Anzahl etwas geringer) erfüllen diese Kriterien. Würde man sich hingegen die Ursprungsbevölkerung anschauen, die sich von traditioneller Jäger- und Sammlerkost ernährt hat, wäre es schwer auch nur eine einzige Person mit metabolischem Syndrom zu finden.

Wie gefährlich ist das metabolische Syndrom?

Als kleines Zahlenspiel kann man untersuchen, inwieweit das Risiko durch die unterschiedlichen Risikofaktoren steigt. Die in diesem Zusammenhang am meisten zitierte Studie (INTERHEART) vergleicht eine große Anzahl Personen weltweit mit und ohne Herzinfarkt.
Das Herzinfarktrisiko mit den unterschiedlichen Faktoren des metabolischen Syndroms, verglichen mit einer Person ohne diesen Faktor:
Diabetes:                3,1 fach erhöhtes Risiko
Bluthochdruck:         2,5 fach erhöhtes Risiko
Stammfettsucht:      2,2 fach erhöhtes Risiko
Schlechte Blutfette:  3,9 fach erhöhtes Risiko
Dies zeigt also das erhöhte Risiko jeden einzelnen Faktors für sich genommen. Aber wie bereits erwähnt, treten diese Faktoren meist in Kombination miteinander auf. Was passiert also wenn man alle Faktoren gleichzeitig hat?!?!
Beim gleichzeitigen Auftreten aller vier Faktoren („voll ausgeprägtes metabolisches Syndrom“) war das Herzinfarktrisiko, im Vergleich zu einer Person ohne diese Risikofaktoren, um das 20 Fache erhöht. Das ist eine Risikoerhöhung von nahezu 2000% !

http://www.kostdoktorn.se/wp-content/2008/05/cigaretter3.jpgZum Vergleich: Beim Rauchen geht von jeder Zigarette scheinbar das gleiche Risiko aus. Raucht man 5-10 Zigaretten täglich, verdoppelt sich das Risiko von Herzkrankheiten. 20 Zigaretten täglich ergibt ein vierfach erhöhtes Risiko. Kettenrauchen (ca 40 Zigaretten täglich) ergibt ein achtfach erhöhtes Risiko. Man kann weiter vergleichen….
40 tägliche Zigaretten erhöhen das Risiko um das 8 fache. Die o.g. Risikofaktoren zusammengenommen ergeben eine 20 fache Erhöhung: (40/8) x20=100
d.h. ein voll ausgeprägtes metabolisches Syndrom könnte ungefähr genauso gefährlich sein wie das tägl. Rauchen von 100 Zigaretten!

Wie wird das metabolische Syndrom vorgebeugt/behandelt?

Fragen Sie 10 Ärzte werden Sie bestimmt genauso viele Antworten bekommen: z.B. „nehmen Sie ab“, „bewegen Sie sich mehr“, „ernähren Sie sich gesünder“… sicherlich drei gute Ratschläge. Vielleicht werden einige sogar zu medizinischen Maßnahmen greifen. Dr. Andreas Eenfeldt (www.kostdoktorn.se) gibt jedoch vor allem einen einzigen Rat, den er als für die Zukunft wichtigsten Faktor betrachtet:
Essen Sie weniger (”schnelle”) Kohlenhydrate,
vor allem weniger raffinierten Zucker!

http://www.kostdoktorn.se/wp-content/2008/05/cola_socker2.jpgWelche wissenschaftliche Unterstützung steht hinter dieser Empfehlung? Es gibt Beispiele bei denen Personen, die große Mengen an „schnellen“ KH verzehren, ein stark erhöhtes Risiko tragen, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. EineUntersuchung von 37 Studien zu diesem Bereich zeigt vergleichbar das erhöhte Risiko, nicht nur an Diabetes sondern auch an anderen gewöhnlichen Krankheiten, die mit dem westlichen Lebensstil zusammenhängen, zu erkranken.
Unter der Rubrik „wissenschaftliches“ finden Sie eine Liste von Studien, die u.a. zeigen, dass die kohlenhydratarme Ernährung gute Effekte bei sämtlichen Faktoren des metabolischen Syndroms hat.
Ein weiterer, wissenschaftlicher Artikel, der die Problematik gut zusammenfasst, ist folgender Artikel vom April 2008: Dietary carbohydrate restriction in type 2 diabetes mellitus and metabolic syndrome: time for a critical appraisal

Mehr zum Thema metabolisches Syndrom

Ein sehr guter Vortrag in leicht verständlichem Englisch über das metabolische Syndrom. Es wird unter anderem erklärt, wie das metabolische Syndrom als Schritt auf dem Weg in der Grauzone zwischen gesundem Stoffwechsel und Diabetes Typ 2 angesehen werden kann.
Medizinhistorisch Interessierte können The Saccharine Disease lesen. Dieses Buch wurde bereits 1966 von Peter Cleave (ein ehemaliger Arzt der britischen Flotte) geschrieben. Er beschreibt wie Krankheiten wie z.B. Fettsucht, Diabetes, Herzkrankheiten, Karies und Gallensteine weitgehend unbekannt war bei Menschen, die keinen Zugang zur westlichen Kost hatten.
Als u.a. Zucker und weißes Mehl in die Ernährung Einzug genommen haben, sind diese Krankheiten schnell aufgetaucht weshalb Cleave diese Ernährungsveränderung dafür verantwortlich machte… er hat also bereits damals das erkannt, was wir heute als metabolisches Syndrom bezeichnen….

Weiterführende Links:http://nutritionandmetabolism.com/content/2/1/31