Diabetes

Diabetes ist eine der Erkrankungen, bei der die Patienten einen auffällig großen Vorteil aus einer konsequenten Ernährung nach LCHF ziehen können. In diesem Artikel wird zunächst einiges zum Diabetes an sich erklärt, im weiteren Verlauf aber auch auf die möglichen Veränderungen durch eine kohlenhydratarme Ernährung eingegangen.

Diabetes – eine Epidemie auf dem Vormarsch

Vor rund 10 Jahren war in der Altersgruppe der 18- bis 79-jährigen bei insgesamt 3,3 Millionen Menschen jemals ein Diabetes festgestellt worden. Im Jahr 2013 waren es bereits 4,6 Millionen Menschen der gleichen Altersgruppe. Leider ist es eine traurige Tatsache, dass ein Diabetes im Schnitt 5-10 Jahre unerkannt bleibt, da sich zunächst keine deutlichen Symptome abzeichnen.

Jährlich sollen mittlerweile auch rund 200 Kinder in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkranken, aber es geht anscheinend noch schlimmer: In den USA sollen sogar rund ein Viertel der Jugendlichen Diabetes oder eine Vorstufe davon haben. Die Ursache wird vermutlich sein, dass heutzutage immer mehr Kindern übergewichtig sind und dieser Trend zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in den USA noch deutlicher zu beobachten ist. Es bleibt leider zu befürchten, dass Deutschland mit der Zeit dem amerikanischen „Vorbild“ folgen wird.

Diabetes mellitus – was ist das?

Bei Diabetes mellitus, im Alltagsgebrauch meist schlicht Diabetes oder auch Zuckerkrankheit genannt, handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung. Die beiden geläufigsten Formen sind der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes. Während einer Schwangerschaft kann ein sogenannter Schwangerschaftsdiabetes (Gestatitionsdiabetes) auftreten und es gibt darüber hinaus noch zahlreiche weitere, aber seltenere Diabetesformen.

Der Begriff „Zuckerkrankheit“ ist übrigens darauf zurückzuführen, dass der Urin bei unbehandelten Diabetikern Zucker enthält und dadurch süßlich schmeckt. Das war früher eine von Ärzten durchaus genutzte Möglichkeit, um Diabetes zu diagnostizieren! Gleichzeitig ist die Tatsache, dass der Urin süßlich schmeckt auch namensgebend für den Begriff „Diabetes mellitus“, denn übersetzt bedeutet es so viel wie „honigsüßer Durchfluss“ und ist eine Kombination aus dem altgriechischem Wort „διαβαίνειν“ (diabainein), was so viel bedeutet wie „hindurchgehen“ oder „hindurchfließen“, und dem lateinischen Wort „mellitus“, das sich mit „honigsüß“ übersetzen lässt.

Wo kommt der Zucker im Blut überhaupt her?

Der Zucker im Blut kommt in erster Linie aus dem Essen, das wir zu uns nehmen. Gewisse Teile der Nahrung spalten sich im Verdauungsprozess in unterschiedliche Zuckerarten auf. Das betrifft vornehmlich die in der Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate. Das betrifft aber auch stärkehaltige Lebensmittel (z.B. Brot, Reis, Kartoffeln, Nudeln, etc., die ja eigentlich zunächst gar nicht süß schmecken) – die Stärke wird zu Zucker (Glukose) umgewandelt. Wenn diese Glukose in den Blutkreislauf gerät, spricht man von Blutzucker. Je mehr Kohlenhydrate in einer Mahlzeit enthalten sind, desto mehr Zucker (Glukose) geht in das Blut über. Je mehr Zucker in das Blut abgegeben wird, desto höher würde der Blutzuckerspiegel ansteigen, wäre der Körper eines Stoffwechselgesunden (in Bezug auf das Blutzuckermanagement) nicht in der Lage, den Blutzuckerspiegel perfekt zu regulieren. In dem Fall muss der Körper jedenfalls sehr viel Glukose „verarbeiten“.

Viele haben allerdings keinen ganz gesunden Stoffwechsel mehr und das sind nicht nur die Diabetiker (inklusive der bereits angesprochenen vermutlich hohen Dunkelziffer der noch nicht erkannten Diabetes-Erkrankungen), sondern auch z.B. diejenigen, die bereits von Prädiabetes bzw. Insulinresistenz betroffen sind.  Vermutlich liegt die Zahl derjenigen, deren Stoffwechsel in Bezug auf die Blutzuckerregulierung nicht mehr einwandfrei funktioniert, sehr hoch.

Blutzuckerstoffwechsel bei einem Nicht-Diabetiker

Bei einer Diabeteserkrankung ist der Blutzuckerstoffwechsel gestört – je nach Form des Diabetes in unterschiedlicher Art und Weise. Aber sehen wir uns zunächst einmal an, was in einem gesunden Körper normalerweise geschieht, wenn wir Nahrung zu uns nehmen.

Wir nehmen Nahrung zu uns und je nach Zusammensetzung (Protein, Kohlenhydrate und Fett) beginnt der Blutzuckerspiegel mehr oder weniger an anzusteigen. Ein anderer Begriff für Blutzucker ist Glukose.

Durch den Anstieg des Zuckerspiegels im Blut, wird in den „Langerhannsschen Inselzellen“, die in der Bauchspeicheldrüse liegen, Insulin produziert und daraufhin in das Blut abgegeben, da der Körper bestrebt ist, den Blutzuckerspiegel wieder auf ein normales Niveau zu bewegen.

Das Insulin sorgt im Blut dafür, dass der Blutzucker sowohl in die Leber, aber auch in Körperzellen der Nieren, des Gehirns und der Muskelzellen transportiert und dort wahlweise gespeichert oder aber direkt in Energie umgewandelt wird. Dadurch, dass das Insulin den Blutzucker aus der Blutbahn in die Zellen schleust, sinkt der Blutzuckerspiegel ab. Das führt nach einer Weile dazu, dass der Körper völlig natürlich erneut „Hunger“ signalisiert.

Gleichzeitig wird bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel in der Bauchspeicheldrüse wiederum der „Gegenspieler“ des Insulins produziert, das Glukagon. Auch das Glukagon findet seinen Weg in die Blutbahn und sorgt dafür, dass der weitere Abbau des Blutzuckerspiegels umgehend unterbunden und der Leber signalisiert wird, aus dem zuvor angelegten Glukosevorrat Glukose zurück an das Blut zu geben. Das führt nun dazu, dass der Blutzuckerspiegel wieder ansteigt.

Man sieht also: Der nicht an Diabetes erkrankte Körper ist in der Lage, unseren Blutzuckerspiegel in genau austarierte Bahnen zu lenken. Mit der nächsten Nahrungsaufnahme beginnt dieser Vorgang somit natürlich wieder von vorne. Bei Diabetikern ist dieser Vorgang gestört. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen und somit unterschiedliche Diabetes-Formen.

Welche Diabetes-Formen gibt es?

Es gibt zahlreiche Formen von Diabetes – an dieser Stelle wird auf die geläufigsten Varianten eingegangen.

Typ-2-Diabetes

Typ-2- Diabetes ist mit 90% der Erkrankten die geläufigste Diabetes-Form, bei der die Sensitivität der Körperzellen für Insulin verringert ist. Das bedeutet, dass der Körper zwar noch selbst Insulin produziert, aber die Leber und die anderen Körperzellen, die normalerweise Glukose speichern, zunehmend weniger darauf reagieren.

Ursachen:

Typ-2-Diabetes tritt häufig im Zusammenhang mit Übergewicht bzw. überproportionalem Anteil an Bauchfett (viszeralem Fett) auf, häufig kommt noch Bewegungsmangel hinzu. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Erkrankung von Bluthochdruck und schlechten Blutfettwerten begleitet wird. In dem Fall spricht man von einem metabolischen Syndrom.

Im Volksmund wird diese Form des Diabetes auch „Altersdiabetes“ genannt, weil die Krankheit sich im Laufe des Lebens entwickelt – die Mehrheit der Patienten ist älter als 65 Jahre.  Aber mittlerweile erkranken immer häufiger auch jüngere Menschen (auch Kindern und Jugendliche) an Typ-2-Diabetes, dadurch ist der Begriff "Altersdiabetes" natürlich inzwischen überholt.

Behandlung:

Typ-2-Diabetes wird vorzugsweise durch geeignete Ernährung sowie körperliche Bewegung behandelt. Eine Gewichtsreduktion erweist sich bei vorliegendem Übergewicht als sehr positiv und kann im besten Fall bereits zu einem normalisierten Blutzucker führen. Die Ernährungsempfehlungen sind jedoch sehr kontrovers:

Seitdem diverse Diabetes-Medikamente auf dem Markt erschienen sind, liegt der Fokus bislang eher darauf, das Übergewicht des Patienten durch möglichst fettarme, aber dadurch kohlenhydratreiche Kost zu abzubauen. Der durch den Verzehr der Kohlenhydrate wiederum erhöhte Blutzuckerspiegel wurde durch die Medikamente in Schach gehalten. Fettarme Ernährung wurde vermutlich deshalb propagiert, weil man a) dem Irrglauben unterlegen war, dass Fett pauschal fett macht, und b) gleichzeitig die Arterien verstopft und somit das bereits für Diabetiker in erhöhtem Maße bestehende Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt durch Arteriosklerose noch weiter erhöhen würde. Tatsächlich wäre es hingegen vorteilhaft, den Anteil an Kohlenhydraten in der Nahrung zu reduzieren, da dadurch der Blutzuckerspiegel von vorneherein deutlich geringer ansteigt und in gleichmäßigeren Bahnen verläuft, ohne größere Schwankungen. Aber dazu später mehr.

Wenn eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zur Blutzuckerregulierung nicht ausreichen, werden zusätzlich Medikamente in Tablettenform (z.B. „Metformin“) verabreicht. Ein weiter fortgeschrittener Diabetes Typ 2 kann dazu führen, dass die körpereigene Insulinproduktion stark nachlässt. Letztendlich müssen dann stärkere Medikamente eingenommen und später oft auch Insulin gespritzt werden.

Typ-1-Diabetes

Im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse beim Typ-1-Diabetes kein Insulin mehr produzieren, weil die „Langerhannsschen Inselzellen“ der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin eigentlich produzieren, aufgrund von Autoimmunreaktionen vom eigenen Körper zerstört wurden. Die Folge daraus ist, dass der Blutzucker nicht mehr abgebaut werden kann, es findet kein Transport des Blutzuckers in die Körperzellen statt. Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Kindes- oder Jugendalter auf.

Behandlung:

Typ-1-Diabetes kann nur durch die Gabe von Insulin behandelt werden. Früher hatte der Diabetiker dazu einen genauen Ernährungsplan und einen Spritzplan, an die er sich möglichst strikt halten musste. Das nannte man konventionelle Insulintherapie (CT).

Heute, nachdem Insuline entwickelt wurden, die deutlich schneller wirken, und andere, die deutlich verzögerter wirken, ist die Therapie viel flexibler geworden und nennt sich mittlerweile intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT).

Üblicherweise spritzt man sich 2 Arten Insulin. Nämlich ein langsamwirkendes Insulin für den mahlzeitenunabhängigen Insulinbedarf, das sogenannte Basalinsulin. Das geschieht normalerweise - je nach Insulin und je nach Therapiegestaltung - 1-2 mal pro Tag. Darüber hinaus spritzt man für seine Nahrung und für eventuelle erforderliche Korrekturen ein schnell wirkendes Insulin, dessen Dosis man entsprechend berechnen muss. Das ist das sogenannte Bolusinsulin. Das geschieht dann üblicherweise zu jeder Mahlzeit und wenn Korrekturen notwendig sind.

Die flexibelste Form der Insulintherapie ist die Insulinpumpentherapie. Eine Insulinpumpe ist ein kleines Dosiergerät, das der Behandelte ständig mit sich trägt. In der Pumpe befindet sich eine Ampulle, die mit einem schnellwirkenden Insulin befüllt ist. Die Pumpe ist mit einem Schlauch verbunden, über den das Insulin durch eine kleine Kanüle ins Unterhautfettgewebe injiziert wird. Man nutzt also nur EIN Insulin für den Basal- und Bolusbedarf. Das funktioniert deshalb, weil die Pumpe das Insulin Just-in-Time abgibt, und das erklärt auch den ersten Vorteil der Pumpe. Die fein programmierbare Dosis kann exakt an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Außerdem kann die Basalrate temporär geändert werden, wenn im Falle von Sport der Basalbedarf niedriger oder im Falle eines Infektes höher ist.

Das Bolusinsulin kann ebenfalls einfach per Knopfdruck injiziert werden. Die meisten Pumpen bieten dazu noch einen sogenannten Bolusrechner, der einem, basierend auf den aktuellen Blutzuckerspiegel und entsprechend der eingegebenen Kohlenhydratmenge, einen Dosisvorschlag berechnet. Dazu wird die Pumpe vorher mit den individuellen Daten ihres Benutzers gefüttert. Beim Bolus kann man dann noch entscheiden, ob man die Dosis in voller Höhe direkt verabreicht bekommt, ob sie in voller Höhe über einen zu definierenden Zeitraum verabreicht wird oder ob man eine Mischform aus beidem wählt. So kann man die Bolusgabe sehr gut an die jeweilige Mahlzeit anpassen und berücksichtigen, dass unterschiedliche Nahrungsbestandteile unterschiedlich schnell verstoffwechselt werden.

Ein Nachteil der Pumpe ist, dass man ständig ein medizinisches Gerät bei sich trägt, dass über Schlauch und Kanüle fest mit einem verbunden ist. Durch Kupplungen im Schlauch kann die Pumpe natürlich auch kurzfristig abgelegt werden (1-2 Stunden), z.B. für einen Schwimmbad- oder Saunabesuch oder für zwischenmenschliche Aktivitäten...

Ein weiterer Nachteil ist, dass die ausschließliche Verwendung von kurzwirkendem Insulin bei Ausfall der Insulinzufuhr aufgrund eines Defektes etc. recht schnell zu einer Stoffwechselentgleisung führen kann. Darauf muss der Pumpenträger vorbereitet sein, geschult werden und wissen was in diesem Notfall zu tun ist.

Die Insulinpumpe schafft eine Voraussetzung für eine künstliche Bauchspeicheldrüse. Dazu fehlt nur noch ein System, das den Blutzucker permanent misst sowie die Kopplung beider Systeme. Kontinuierliche Glukosemessgeräte gibt es bereits seit längerem, aber es hat bisher noch kein Hersteller gewagt, ein gekoppeltes System, das auch Closed Loop System genannt wird, auf den Markt zu bringen - allenfalls ein abgespecktes System, das die Basalversorgung abschaltet, wenn der Glukosewert bestimmte Bedingungen erfüllt, ist derzeit im Angebot. Es wird aber geforscht - und wer weiß, vielleicht wird es so etwas in Zukunft geben.

Auch im Falle des Typ-1-Diabetes gilt, dass die Ernährung eine Rolle spielt, denn je mehr Kohlenhydrate verzehrt werden und je höher die Blutzuckermenge im Blut dadurch steigt, desto größere Mengen Insulin werden benötigt. Viele Betroffene haben die Erfahrung gemacht, dass eine geringere Menge Kohlenhydrate in der Ernährung es erleichtert, den Blutzuckerspiegel auf einem stabilen und normaleren Niveau zu halten, und die Insulingabe dadurch verringert werden kann.

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Der Schwangerschaftsdiabetes wird auch als Gestationsdiabetes, GDM oder Typ-4-Diabetes bezeichnet. Diese Diabetes-Form tritt zum ersten Mal als Glukose-Toleranz-Störung bei einer bestehenden Schwangerschaft auf. Natürlich kann es sich dabei auch entweder um einen erst in der Schwangerschaft erkannten Diabetes handeln oder aber um einen, der in dieser Situation neu entsteht (letzteres ist aber eher selten der Fall). Mit der Geburt des Kindes verschwindet der typische Schwangerschaftsdiabetes bei den meisten Frauen wieder. Wie jeder andere Diabetes muss auch diese Form natürlich medizinisch überwacht und behandelt werden, in diesem Fall ist ja nicht nur die Gesundheit der werdenden Mutter, sondern auch das Leben des Fötus in Gefahr. Allerdings erfolgt die Behandlung in diesem Fall mit Insulin, die Gabe der ansonsten gerne zunächst verschriebenen Medikamente in Tablettenform ist in der Schwangerschaft nicht zugelassen.

Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes zählen Übergewicht, ein Alter über 30 Jahren und eine erbliche Vorbelastung mit Diabetes mellitus in der Familie. Das will aber noch gar nichts heißen: Ein Schwangerschaftsdiabetes kann auch ohne diese bekannten Risikofaktoren auftreten.

LADA-Diabetes

LADA bedeutet „Late onset autoimmune diabetes in the adult“. Dabei handelt es sich um einen Diabetes, der erst im Laufe des Lebens als Erwachsener auftritt und autoimmun bedingt ist.

LADA-Diabetes ist nicht ganz ungewöhnlich und gehört in die Gruppe Typ-1-Diabetes. Wie beim Typ-1 sind in diesem Fall Antikörper, die die insulinproduzierenden Betazellen angreifen, vorhanden. Weil er erst im Laufe des Lebens auftritt, wird er häufig nicht als LADA-Diabetes erkannt, was dazu führen kann, dass bei einem Erkrankten ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert und behandelt wird, was aber in dem Fall nicht richtig ist.

MODY-Diabetes

MODY ist die Abkürzung von „Maturity Onset Diabetes of the Young“, was so viel bedeutet wie „Erwachsenendiabetes, der bei Jugendlichen auftritt“. Dieser Diabetes wird in die Kategorie Typ-3-Diabetes („andere spezifische Diabetesformen) einsortiert und innerhalb von MODY unterscheidet man zwischen 11 unterschiedlichen Versionen.

Allen MODY-Varianten ist gemeinsam, dass sie auf Mutationen von Genen des Glukosestoffwechsels beruhen, MODY wird also vererbt. Dieser Diabetes manifestiert sich bereits in der Kindheit oder Jugend und zumindest anfangs ist noch keine Insulintherapie nötig. Circa 2-5 % aller Diabetiker haben eine Form des MODY-Diabetes.

Gesundheitliche Konsequenzen eines unbehandelten Diabetes

Diabetes kann eine Vielzahl von Folgekrankheiten nach sich ziehen, denn der erhöhte Blutzuckerspiegel kann die Blutgefäße, Nerven und Organe schädigen. Das gilt besonders, wenn die Stoffwechsellage über einen langen Zeitraum schlecht eingestellt war. Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist erhöht, sicherlich erst recht, wenn durch das Vorliegen eines metabolischen Syndroms auch Bluthochdruck und schlechte Blutfettwerte vorliegen. Darüber hinaus betroffen sind häufig die Nieren, die Augen und durch das sogenannte diabetische Fußsyndrom kann es zu Schäden an den Füßen und Beinen kommen. Weitere mögliche gesundheitliche Konsequenzen reichen von der Schultersteife bzw. „Frozen Shoulder“, Mund- und Zahnfleischproblemen, Fettleber, Hörstörungen bis hin zur Krebserkrankung.

Symptome bei Diabetes

Typische Symptome bei Diabetes – insbesondere Typ-1-Diabetes – sind:

  • starker Durst
  • vermehrtes Wasserlassen
  • Heißhunger
  • Juckreiz
  • Erschöpfungsgefühle
  • Sehstörungen
  • Infektanfälligkeit (besonders häufig sind Harnwegsinfekte)
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust

Wie finde ich heraus, ob ich Diabetes habe?

Sollten Sie unter den oben beschriebenen Symptomen leiden, sollte Sie Ihr Gang eilenden Schrittes zum Arzt Ihres Vertrauens führen, um ggf. einen Diabetes zu diagnostizieren, entsprechend zu behandeln und zu überwachen.

Diabetes mellitus liegt vor, wenn eine der folgenden Kriterien erfüllt ist (Glukose jeweils gemessen im Blutplasma):

  • Nüchternblutzucker ≥ 7 mmol/l (126 mg/dl)
  • Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl) zwei Stunden nach der Gabe von 75 g Glukose. Dieser Test wird oraler Glukose-Toleranztest , kurz oGTT, genannt
  • HbA1c in % ab 6,5%. Bei Werten zwischen 5,7 und 6,4% soll eine Untersuchung des Nüchternzuckers sowie ein oGTT herangezogen werden, weil das HbA1c in diesem Bereich nicht aussagefähig genug ist. < 5,7% bedeutet: kein Diabetes
  • Blutzucker ≥ 11,2 mmol/l (200 mg/dl) und sonstige Anzeichen für Diabetes, wie beispielsweise starker Durst (Polydipsie) und häufiges Wasserlassen (Polyurie) oder unerklärlicher Gewichtsverlust.

Insulin und die Angst vor natürlichem Fett

Bevor es gelang, Insulin auf künstlichem Wege herzustellen, wurden Diabetiker dazu angehalten, die Menge der Kohlenhydrate in der Nahrung gering zu halten. Um dazu ein Beispiel zu nennen: Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte der britische Militärarzt John Rollo eine Diät für Diabetiker, die gewisse Ähnlichkeit mit LCHF besitzt. Sein Buch „An Account of Two Cases of the Diabetes Mellitus“ enthält Berichte über den Krankheitsverlauf und die Therapie mit seinem Ernährungsansatz bei zwei Diabetespatienten. Tatsächlich zeigte seine Diät Erfolge und diese damals neue Art der Behandlung von Diabetes war ein Meilenstein. Sie wurde im 19. Jahrhundert von vielen Medizinern angeordnet.

Als jedoch Insulin auf künstlichem Wege hergestellt werden konnte, gerieten solche und andere alte Kenntnisse teilweise in Vergessenheit. Im übermäßigen Vertrauen auf das Neue scheint man geglaubt zu haben, dass Diabetiker sich problemlos eine unbegrenzte Menge an Insulin spritzen könnten, um den Blutzucker zu normalisieren. Die Insulingabe machte es möglich, vermehrt blutzuckererhöhende Mengen an Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Erkenntnisse aus Studien und aus der Praxis deuten jedoch darauf hin, dass Insulin im Übermaß negative Langzeiteffekte haben kann. Es fördert nicht nur die Gewichtszunahme und die Einlagerung von Körperfett, sondern birgt mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine ganze Reihe anderer Gefahren.

Im Zusammenhang dazu sollte man sich bei Interesse (und sofern man der englischen Sprache mächtig ist) folgenden Film von Dr. Jason Fung mit der Überschrift „Insulin Toxicity and How to Cure Type 2 Diabetes“ auf Youtube ansehen.

Die sich mittlerweile als falsch erweisende Theorie, dass natürliches Fett gefährlich sei, hat das Problem zusätzlich verstärkt. Wie bereits erwähnt, war die Folge daraus die Empfehlung an Diabetiker, weniger Fett und mehr Kohlenhydrate zu essen. Sie wurden (und werden häufig noch) dazu angehalten, sich genau davon zu ernähren, was im Körper zu Zucker abgebaut wird und den Blutzuckerspiegel erhöht. Das Ergebnis dieses Therapieansatzes scheint alles andere als andere als positiv: Eine schrittweise jährliche Verschlechterung wird beispielsweise Patienten mit Typ-2-Diabetes als „normal“ betrachtet, als „natürlichen Krankheitsverlauf".

Was kann LCHF bei Diabetes bewirken?

Ausdrückliche Warnung vorab!

Für Diabetiker, die ihren Diabetes mit Medikamenten (im Speziellen mit Insulin) behandeln, ist es wichtig beim Übergang zur LCHF-Ernährung den Blutzucker genau zu kontrollieren und die Medikamente entsprechend anzupassen - gemeinsam mit dem behandelnden Arzt!

Eine Ernährung mit einem geringen Anteil an Kohlenhydraten führt normalerweise dazu, dass erheblich weniger Insulin gebraucht wird. Es ist daher wichtig, dass die Dosen ausreichend gesenkt werden, um Unterzuckerungen (oder Hypoglykämien) zu vermeiden.

Gerade bei Diabetes kann LCHF große Veränderungen bewirken. In diesem Zusammenhang passt ein Auszug aus dem Text „LCHF bei Diabetes“, den Moderator Rainer im LCHF-Forum eingestellt hat. Er ist selbst Typ-2-Diabetiker und hat mit den Jahren seine eigenen Erfahrungen mit LCHF in Bezug auf diese Erkrankung gesammelt:

„Als ich dann 2009 LCHF für mich entdeckt habe, war ich erstaunt, mit was für geringem Aufwand sich der Blutzucker gesund führen und der Diabetes im Griff behalten lässt. Mit weniger Medikamenten lässt sich der Blutzucker mit dieser kohlenhydratarmen Ernährung ohne große Schwankungen schön niedrig halten. Das ist die beste Voraussetzung dafür, dass der Diabetes sich nicht weiter verschärft und dass man von den diabetischen Folgekrankheiten verschont bleibt.

Besonders profitieren davon Typ-2-Diabetiker, die zusätzlich Gewicht verlieren wollen. Aber auch nicht übergewichtigen Diabetiker, sogar Typ-1-Diabetiker, können von der unter LCHF möglichen flachen und niedrigeren Blutzucker-Führung profitieren. Es zeigt sich häufig, dass diabetische Folgeschäden im Anfangsstadium damit ein Stück weit zurück gedreht werden können. Bei fortgeschrittenen Schäden kann man zumindest deren Weiterentwicklung aufhalten.

Die größten Erfolge können übrigens neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker verbuchen. Es kommt nicht selten vor, dass bei denen auch bei hohen Ausgangswerten die Ernährungsumstellung ausreicht und keine Medikamente erforderlich werden. Allerdings würde sich bei diesen Diabetikern der Diabetes schnell wieder melden, wenn sie mit der LCHF-Ernährung aufhören.

LCHF verspricht keine Heilung von Diabetes. Es bietet eine Möglichkeit, mit dieser Krankheit ohne große Einschränkungen so umzugehen, dass sie ein Leben lang harmlos bleibt.“

Weiterführende Informationen zu Diabetes

Ernährungstherapie bei Typ-2-Diabetes der Reha-Klinik Überruh (Dr. P. Heimeyer)

„Low Carb explained“ – Interview von Dr. Eenfeldt (Dietdoctor) mit der amerikanischen Ärztin Mary C. Vernon, die sich seit langem auf dieses Gebiet spezialisiert hat auf Youtube.

Nielsen et al, 2005: „A low carbohydrate diet in type 1 diabetes: clinical experience - a brief report.” 

Literatur

„Dr. Bernstein's Diabetes Solution“ (Little, Brown and Company; Auflage: 4 Rev ed. vom 1. November 2011 – ISBN 978-0316182690 ) - Das vermutlich beste Buch zum Thema Diabetes (Typ 1 und 2) und kohlenhydratreduzierte Ernährung, auf Englisch geschrieben.

Dr. Bernstein erkrankte vor 62 Jahren an Diabetes Typ 1. Er gehört zu den ersten, die für die genaue Selbstkontrolle des Blutzuckers propagierten, etwas das heute als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird. Sein Buch ist perfekt für diejenigen, die so viel wie möglich darüber wissen wollen, wie man seinen Blutzucker mit kohlenhydratreduzierter Kost kontrollieren kann und vieles mehr.





Dieser Text ist eine Zusammenfassung vereinzelter Infos aus diesen Quellen:

http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Altersdiabetes-50344.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus

„Prävalenz und zeitliche Entwicklung des bekannten Diabetes mellitus – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“ 2013

https://dolcevitamittyp1.de

http://de.wikipedia.org/wiki/LADA

http://de.wikipedia.org/wiki/MODY

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsdiabetes