My #2: Abstinente Kost für Anfänger

Neulich wurde ich gebeten, einen Artikel darüber zu schreiben, wie man denn mit LCHF anfangen sollte und zusätzlich einige Tipps dazu zu geben. Das mache ich natürlich gerne, aber ich ernähre mich eigentlich gar nicht mehr einfach nach LCHF, sondern nach einer Variante, die für uns Zuckersüchtige viel besser geeignet ist: Abstinente Kost!

Was ist abstinente Kost denn nun schon wieder und wie funktioniert das?

Was der Unterschied zwischen LCHF und einer abstinenten Kost ist? Dieser Kost kann durchaus der LCHF-Stempel aufgedrückt werden, aber wir verzichten darüber hinaus noch auf manche Lebensmittel, die bei LCHF eigentlich durchaus geeignet sind, denn einiges davon triggert uns zum Überessen!

Vorbereitungen

Leg ein Datum fest, an dem du beginnen möchtest. Je eher, desto besser. Es wird niemals den perfekten Zeitpunkt geben.

Ich habe den Wechsel von LCHF zur abstinenten Kost 5 Tage vor einem Firmenfest und 3 Wochen vor meiner Examensprüfung gewagt. Das passte mir ursprünglich eigentlich gar nicht in den Kram, denn ich plante bereits, dass ich nach der Prüfung bis zum Anschlag feiern und mich mit Milchprodukten und Zuckerersatzstoffen aller Art abfüllen würde. Aber gesund zu werden war mir wichtiger als alle Events in der ganzen Welt. Darum habe ich den Wechsel zur abstinenten Kost sofort vollzogen.

Und… du... noch was... Nimm bitte nicht noch vorher „Abschied“ von deinen Drogen, indem du am Tag vor der Umstellung ein letztes Mal ordentlich z.B. Süßigkeiten isst. Das wird dir die Entzugsphase erst recht zur Hölle machen!

Schmeiß ALLES raus, was dich triggert. Es ist mir total egal, ob dein Mann aber seine Nudeln haben will. Die kann er woanders essen. Deine Nahrung ist deine Medizin und wenn du Diabetes hättest, würde man dir wohl definitiv nicht dein Insulin verwehren. Eine Abhängigkeit ist wie eine Krankheit im Gehirn. Du brauchst Medizin und die ist in deinem Fall die richtige Ernährung.

Das gilt auch für deine Kinder und Süßigkeiten, denn deinen Kindern sind Süßigkeiten eigentlich egal, was sie stattdessen dringend brauchen, ist eine gesunde und stets geistig und körperlich anwesende Mama (bzw. Papa)! Ich weiß, dass das eine unbequeme Wahrheit ist und man vielleicht das Gefühl hat, dass man seiner Umgebung nicht „schaden“ möchte. Versuch stattdessen daran zu denken, dass Süßigkeiten auch die Körper deiner Kinder zerstört.

Um den Weg zur Gesundung erfolgreich einzuschlagen, sind drastische Maßnahmen erforderlich. Wärst du AlkoholikerIn würde dein Partner bzw. deine Partnerin sicherlich auch nicht jammern, wenn du fortan keinen Alkohol mehr daheim haben wolltest, oder?

Du hast das Recht diese Forderungen an deine Umwelt zu stellen und wenn sie dich lieben, werden sie dieses Opfer in Kauf nehmen. Wenigstens für ein paar Wochen - eben bis du stabil bist. Das muss ja nicht zwangsläufig für den Rest des Lebens gelten.

Die Belohnung, die deiner Familie im Gegenzug winkt, ist enorm: Sie werden zukünftig eine gesunde und wirklich anwesende Mutter (bzw. Vater) haben. Niemand hat das Recht, ständig am Lebensstil eines anderen herum zu nörgeln (wie z.B.: „Du solltest aber wirklich weniger Süßigkeiten essen), stattdessen soll man tatkräftig Unterstützung leisten, wenn Menschen ihren Missbrauch angehen wollen.

Bereite dich für die ersten 2 Wochen auf die reine Hölle vor!

Du wirst dich unfassbar schlecht fühlen, mies schlafen, an Kopf- und Magenschmerzen leiden. Das gehört dazu, aber es geht vorüber! Danach wirst du dich phantastisch fühlen!

Versuch gar nicht erst, dir selbst zu versprechen, dass du den Rest deines Lebens abstinent sein wirst. Das ist eine viel zu hoch gesteckte Erwartung! Jeden Morgen, wenn du aufwachst, solltest du dir ein kleines Versprechen geben: „Heute ist ein guter Tag, heute werde ich abstinent bleiben!“ Immer nur 24 Stunden am Stück. Sollte sich dein Suchtgefühl melden, dass von deinem leicht zu manipulierenden Reptiliengehirn verursacht wird, sagst du zu ihm: „Morgen kannst du deine Drogen haben, aber heute nicht!“

Wer weiß schon, was Morgen passiert? Das einzige, worüber wir Macht haben, ist das HIER und JETZT.

Unterwegs

Trauere ruhig um deine Drogen. Es ist völlig in Ordnung, um persönliche Lieblingsgerichte zu trauern, und seien es Haferflocken mit Milch und Zucker o.Ä.. Das hat durchaus ein wenig was von einer Trennung von einem Partner und du wirst wahrscheinlich durch die üblichen Trauerphasen gehen:

  • Verleugnung,
  • Wut,
  • Trauer
  • und Akzeptanz.
Das ist völlig okay, das ist normal.

Sorge dafür, dass du deine Mahlzeiten immer zwei Tage im Voraus planst und vorrätig hast. Schaffst du es einmal wider Erwarten nicht zum Einkaufen, hast du zumindest auch Essen für den nächsten Tag da.

Deine persönliche abstinente Kost

Ich kann dir nicht sagen, was du essen sollst oder kannst und was nicht. Das musst du selbst bestimmen. Du musst dir selbst gegenüber offen und ehrlich zugeben, an welchen Nahrungsmitteln, welchen Kombiniationen aus Lebensmitteln und sogar welchen Konsistenzen du üblicherweise überisst. Aber ich kann dir durchaus ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Alle können diese Lebensmittel essen:

Fleisch, über der Erde wachsendes Gemüse (außer Mais), Fisch, Butter, Kokosöl, Schalentiere, Eier

Manche können in geringen Mengen auch Folgendes essen:

Milchprodukte und Butter

Keiner von uns kommt mit diesen Nahrungsmitteln klar:

Produkte aus Mehl, Zuckerreiches, Zuckerersatzstoffe, Alkohol, glutenhaltige Lebensmittel (wie Nudeln und andere Pasta, Reis, Kartoffeln, Süßigkeiten, Brot, Pizza, etc.)

Professionelle Hilfe

Ich rate dir, Kontakt zu Kicki von Arteget.se aufzunehmen, um dir einen Ernährungsplan erstellen zu lassen. Das war mir eine enorme Stütze, da ich mir dadurch keine Gedanken darüber machen musste, ob ich zu viel oder zu wenig esse – es gab mir Sicherheit. Das Geld dafür war gut investiert.

(Anmerkung: Hm.. Arteget sitzt in Schweden und ich habe überhaupt keine Ahnung, ob die dort Ernährungspläne auf Deutsch oder Englisch erstellen und wie gut diese Pläne tatsächlich sind. Aber falls jemand sich eine solche Hilfestellung wünscht, würde ich doch einfach mal freundlich über die Webseite anfragen. Wie gesagt, ich weiß es nicht. Die Leute von Arteget wissen jetzt auch gerade nicht, dass ich das hier schreibe und weder My und ich profitieren irgendwie von dieser „Werbung“. Wundert euch also nicht, dass sie unter Umständen ein wenig überrascht auf eine Anfrage reagieren könnten.. 😉 Ob es ein entsprechendes und gutes Pendant im deutschsprachigen Raum gibt, weiß ich nicht. Da kann und will ich keine Empfehlung geben.)

Du wirst ALLES vermeiden, was süß ist, wobei es total egal ist, ob beim Genuss Insulin ausgeschüttet wird oder nicht (Zuckerersatzstoffe), denn alle diese Stoffe triggern dein Reptiliengehirn, so dass du immer wieder und immer mehr davon haben willst. Kein Gebäck, keine Ersatzprodukte: NADA!

Auch Alkohol gehört zu dieser Gruppe, da dein Reptiliengehirn davon ebenso getriggert wird wie von Süßem. Es kann einem viel zu leicht passieren, dass man sinnbildlich einfach die Kajüte auf der Titanic wechselt bzw. eine Droge gegen eine andere eintauscht.

Und da ist er, der Unterschied zwischen abstinenter Kost und LCHF. Wir können uns nichts backen, auch wenn es noch so "konform" ist, weder Wein trinken noch LCHF-Brot essen. Dann schaffen wir es einfach nicht.

Aber selbst das mag sehr individuell sein: Wenn du glaubst, dass du es schaffst, mit einem Stückchen oder Schlückchen klar zu kommen – fein. Aber wenn du zu denen gehörst, die dann doch den gesamten Teller oder die Flasche leeren: Schmeiß den Mist weg!

Es ist unglaublich hart abstinent zu leben, aber es wird dir im Gegenzug so viel geben, das verspreche ich dir. Ich fühle mich nie so glücklich, wie wenn es mir gelingt, abstinent zu sein.

Du bist mit deinem Problem nicht allein! Und es ist völlig in Ordnung, wenn du dir dabei manchmal so richtig selbst Leid tust.

Dennoch solltest du deinen Fokus auf das Ziel richten:

  • Was willst du mit deinem neuen Leben anstellen?
  • Welche Träume willst du dir einfangen?
  • Was möchtest du dir verwirklichen?

Deine My



My Westerdahl schreibt in dieser Kolumne über ihre eigenen Erfahrungen im Kampf gegen die Zuckersucht.

Sie hat eine sehr frische und offene Art, die Dinge beim Namen zu nennen.