Tommy Runesson: Nach 18 Monaten halbiert!

Tommy Runesson: In 18 Monaten halbiertHach, ich könnte ja ständig und immer interessante Interviews mit spannenden LCHF-Schweden hier einstellen. Da sind recht viele besondere Geschichten und Persönlichkeiten auf meiner kleinen To-do-Liste, einer davon ist Tommy Runesson.

Wie viele andere schwedische Internetseiten habe ich seinen Blog "Tommy tappar" irgendwann beim Surfen entdeckt und bin dort kleben geblieben, weil er wirklich eine enorme Abnehmleistung hingelegt hat. Was mich an ihm fasziniert, ist die sehr, sehr strikte LCHF-Linie, die er von Anfang an verfolgt hat - wir reden an dieser Stelle von 5-10 g Kohlenhydraten am Tag.

Faszinierend für mich deshalb, weil ich mir eine derart strikte Version für mich dauerhaft niemals vorstellen könnte, da ich viel zu gerne viel Gemüse esse und ich mir wegen (aus meiner Sicht) mangelnder Studienlage bzw. mangelnder Nachweise nicht sicher bin, ob eine sehr strikte LCHF-Version auf Dauer wirklich so gut ist. Sieht man sich jedoch Tommys Geschichte an, scheint es ihm aber keinesfalls geschadet zu haben. Im Gegenteil, er hat ein großes, persönliches Ziel vor Augen...

Jedenfalls ziehe ich den Hut ganz tief vor dem, was er mit LCHF erreicht hat.

Allgemeines

Wenn du dich in einem Satz beschreiben solltest: Wer ist Tommy Runesson?

Oh, in einem Satz… Das wäre am ehesten: Positiv eingestellter Kerl, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

Ich weiß wohl nicht, wie man den Ausdruck „båda fötterna på jorden“ auf Deutsch übersetzt. Für mich hat es die Bedeutung, dass ich sehr bodenständig, realistisch, entspannt und ruhig bin.

(Anmerkung: Die Übersetzung dazu ist „mit beiden Beinen auf dem Boden stehen“, was es im Deutschen halt auch gibt. Aber ich fand seine Erläuterung, was er darunter versteht, wichtig und darum habe ich diesen Übersetzungweg gewählt.)

Wie war deine Situation BEVOR du mit LCHF angefangen hast? Wie viel hast du gewogen? Gab es weitere gesundheitliche Probleme? Hattest du zu diesem Zeitpunkt schon Abnehmversuche hinter dir?

Ich war sehr schwer, bevor ich mit LCHF begann. Mein Gewicht lag bei 174,4 kg, aber trotzdem habe ich ansonsten keine Schwierigkeiten gehabt. Es gab weder physische noch psychische Probleme, sondern ich fühlte mich sehr wohl mit meinem Leben. Ebenso wenig habe ich vorher versucht abzunehmen, LCHF war mein erster Versuch.

Dein LCHF

Wie hast du LCHF gefunden und wann? Warst du von Anfang an davon überzeugt? Gab es Schwierigkeiten bei der Umstellung? Was natürlich auch interessiert: Wie schnell hast du anfänglich abgenommen?

Ich habe weder nach LCHF noch nach einer anderen Diätmethode gesucht, als ich es dann schließlich zufällig doch fand. Wonach ich eigentlich damals auf der Suche war, war ein Rezept für eine Sauce Bernaise, stieß aber bei der Gelegenheit im Internet auf ein Interview mit Sten Sture Skaldeman, in dem er darüber berichtete, wie er versucht hatte, nur noch alles das zu essen, was man aus gesundheitlicher Sicht eigentlich nicht sollte, und wie er dann überraschenderweise auf einmal sehr viel abgenommen hat.

(Anmerkung: DA! Schon wieder jemand, bei dem Sten Sture Skaldeman die Grundlage gelegt hat… Toll, oder?)

Er erwähnte in dem Interview unter anderem, dass er gerne Hacksteak mit Sauce Bernaise ohne weitere Beilagen aß und dass das zur Abnahme führte. Das klang so komisch, dass ich mich gezwungen fühlte, es auch auszuprobieren. Daher beschloss ich im September 2009, dass ich einen Test machen würde.

Ich sortierte alle Kohlenhydrate aus den Vorratsschränken aus und begann von Anfang mit einer sehr strikten Form. Von dem Moment an verlor ich Gewicht, es raste recht konstant bergab. 1-3 kg pro Woche waren das für eine recht lange Weile! Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich irgendwelche Schwierigkeiten mit der Umstellung der Ernährung gehabt hätte.

Heutzutage gibt es ja eine große Vielzahl verschiedener LCHF-Versionen, aber wie sieht DEIN LCHF aus? Was sieht beispielsweise ein typischer Tagesplan bei dir aus?

An normalen Tagen esse ich nur eine Mahlzeit, irgendwann zwischen 16 und 20 Uhr. Dann esse ich aber eine ordentliche Portion, die meistens aus rund 300-400 g irgendeiner Sorte Fleisch oder Fisch besteht. Dazu gibt es in der Regel mindestens 100 g Mayonnaise oder Butter, die ich auf die unterschiedlichsten Weisen selbst würze. Die Mahlzeit kann ich noch um ein wenig Gemüse ergänzen, in dem Fall handelt es sich oft um Brokkoli, Spargel oder Blattspinat, manchmal mache ich mir auch ein wenig Salat, das aber nicht so häufig.

Ich esse also sehr striktes LCHF und es kommt nur selten vor, dass ich am Tag mehr als 10 g Kohlenhydrate zu mir nehme. Im Gegenteil, meistens liege ich sogar unter 5 g.

Aus den Artikeln in deinem Blog weiß ich, dass du sehr fleißig deine Nahrung protokollierst. Ist es für dich wichtig, die Nahrungsaufnahme zu kontrollieren?

Ich messe und wiege tatsächlich recht viel, aber ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich das mache, um die Nahrungsaufnahme zu kontrollieren. Ich notiere alles nachdem ich gegessen habe, lasse mich also nicht davon steuern, mal abgesehen von der Kohlenhydratmenge natürlich. Die Zahlen sehen dennoch hinterher gut aus, auch ohne dass ich mir vorher überlege, was ich essen „darf“ und was ich „nicht darf“.

Als Ziel habe ich mir gesetzt, dass mindestens 75 % der Energie aus Fett, 1-2 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten und der Rest eben aus Protein stammen. Und das erreiche ich auch meistens.

Hast du Vorbilder in der LCHF-Welt, die dich geprägt haben? Und falls ja, welche und warum?

In erster Linie ist das Sten Sture Skaldeman. Ihn habe ich zuerst gefunden und seine Art, Bücher zu schreiben, mag ich. Mit Margareta Lundström hatte ich bereits viele und inspirierende Gespräche, daher möchte ich sie auch in jedem Fall erwähnen. Ich lese darüber hinaus sehr gerne die Blogs und Bücher von Martina Johansson - ihre Experimente finde ich sehr ansprechend.

Wie viel hast du mit LCHF abgenommen und wie lange hat das gedauert? Hast du dein Zielgewicht bereits erreicht?

Mein niedrigstes Gewicht lag bei knapp unter 80 kg und somit hatte ich etwas mehr als 94 kg abgenommen. Bereits nach 18 Monaten waren 87 kg verschwunden und ich hatte mich somit halbiert! Danach habe ich in den folgenden Monaten aber noch ein wenig mehr abgenommen.

In der letzten Zeit habe ich aus irgendwelchen Gründen ein wenig zugenommen. Derzeit liegt mein Gewicht zwischen 86 und 90 kg, aber ich schaue mal, ob ich mich nicht noch auf 83-85 kg herab bewegen kann, denn da hätte ich mein Gewicht gerne. Ich verspüre aber keinen Druck, dieses Ziel unbedingt erreichen zu müssen – was kommt, kommt.

Was ist für dich das Beste daran, leichter zu sein? Hast du irgendwelche gesundheitlichen Verbesserungen dadurch erlebt?

Da ich ja vorher eigentlich gar keine Probleme verspürt habe, kann ich nicht wirklich irgendwelche gesundheitlichen Verbesserungen anführen, auch wenn ich natürlich rein vom Kopf her weiß, dass ein Körper sich mit weniger Gewicht deutlich besser fühlt.

Da sind es wohl eher die praktischen Vorteile, die sich aus der Gewichtsabnahme ergeben haben. In erster Linie ist es deutlich einfacher Kleidung zu finden, die einem passt. Früher musste ich in Geschäften einkaufen, die auf die Bedürfnisse von Übergewichtigen eingestellt waren – da war dann die Auswahl recht klein, dafür aber die Preise hoch.

Der Klapptisch im Flugzeug lässt sich jetzt auch ganz hervorragend verwenden, das war früher ein Problem. Es sind also eher die praktischen Vorteile, die mir einfallen.

Hast du irgendwelche spannenden Zukunftspläne in Bezug auf LCHF?

Ich habe bereits entschieden, dass ich zum vierten Mal bei der LCHF-Karibik-Kreuzfahrt dabei sein werde. Diese Kreuzfahrten sind durch die Vielzahl an Vorträgen und der Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, richtig interessant. Mit dabei sind Ärzte, Ernährungsspezialisten, Autoren und Sportmenschen aus allen Ecken und Enden der Welt. Die Kreuzfahrt wird im Mai 2016 stattfinden und ich kann sie allen, die schon immer mal davon geträumt haben, dabei zu sein, nur empfehlen. Das macht richtig Spaß und es gibt einem viel mit auf den Weg.

Tommy Runesson: Mit LCHF habe ich mich halbiert

Tommy 2015

In den letzten Monaten habe ich anfangen, etwas systematischer zu trainieren. Ende 2014 habe ich mir nämlich ein ziemlich hohes Ziel gesetzt. Ich bin immer schon sehr viel spazieren gegangen, aber ich möchte jetzt, da mein Körper dazu in der Lage ist, anfangen, ein wenig zu laufen.

Mein Ziel ist es, 2017 den New York Marathon zu laufen. Ich bin 30 Jahre lang auch nicht einen einzigen Schritt gelaufen, daher habe ich einen Trainer engagiert, der mir einen passenden Plan für das Krafttraining erstellt hat, und habe gerade angefangen, während meiner Spaziergänge immer wieder mal ein wenig zu laufen.

Bis zum Lauf sind es nur noch knapp zwei Jahre, dennoch spüre ich, dass ich rein mental bereits jetzt in der Lage wäre, den Marathon zu laufen. Die Frage ist aber, ob ich es schaffen werde, den Körper bis dahin ausreichend zu trainieren. Ich hoffe es jedenfalls. Natürlich werden sowohl das Training als auch der Lauf an sich mit richtig striktem LCHF geschehen. Für mich wird es also weder Pasta noch Energydrinks geben.

Tipps und Ansichten

Es hat den Anschein, dass Männer weniger Probleme mit dem Abnehmen haben und das finden wir Frauen echt unfair. Hast du eine Idee, woran das liegen kann? Liegt es an der anderen Stoffwechselsituation?

Ich glaube, dass es dafür verschiedene Gründe gibt. Frauen haben in der Regel bereits mit allen möglichen merkwürdigen Methoden versucht abzunehmen, bevor sie LCHF testen. Das führt wahrscheinlich dazu, dass der Körper sich nicht mehr so leicht auf die Veränderungen einlassen kann, die nötig sind, um die Fettverbrennung in Gang zu bekommen. Darüber hinaus denke ich schon, dass es auch an den Hormonen und weiteren geschlechtsspezifischen Unterschieden liegt, was sich zudem im Laufe der Jahre verändert.

Was ist deine Meinung zu Ausnahmen (Cheatdays etc.)?

Ich verstehe nicht so recht, warum man Cheatdays oder Esstage überhaupt haben möchte. Ich mag die Mahlzeiten, die ich essen „darf“, wirklich und verspüre überhaupt kein Verlangen danach, ab und an „falsch“ zu essen. Wenn ich Lust auf ein wenig kohlenhydratreicheres Gemüse habe, dann esse ich es, aber für mich liegt das nicht im Bereich eines Cheatdays, sondern eines „liberaleren“ Tages. An solchen Tagen lande ich bei rund 20-40 g Kohlenhydraten komplett und das ist ja eigentlich nicht sonderlich viel.

Was sind deine heißesten Tipps für LCHF-Anfänger, die abnehmen möchten?

Ich pflege zu empfehlen, dass man wirklich strikt anfangen sollte. Das hat einige Vorteile: Zum einen ist es einfacher gar keine Kohlenhydrate zu essen als zu versuchen, z.B. rund 25 g Kohlenhydrate am Tag auszubalancieren. Das führt nämlich nicht selten dazu, dass es ein wenig entgleist und man im Endeffekt zu oft bei 30-50 g Kohlenhydrate landet, was es schwerer macht, in Gang zu kommen. Außerdem lernt und weiß man in dieser Version viel schneller auswendig, welche Nahrungsmittel geeignet sind und welche nicht, ohne dass man sich schon am Anfang kaputt rechnet. Später kann man dann mit kleinen Experimenten beginnen und austarieren, was sich gut anfühlt und was eben nicht.

Mein Tipp ist also: „Peile strikt an!“

Du kochst gerne, jedenfalls findet man in deinem Blog häufig Rezepte. Hast du Lust, ein typisches „Tommy-tappar-Rezept“ mit uns zu teilen? Das wäre toll.

Eins meiner absoluten Lieblingsrezepte derzeit ist eine ganz einfache aromatisierte Butter, die man immer wieder variieren kann. Das ist eine Ziegenkäsebutter, die 75 g Butter und 50-100 g Ziegenkäse enthält. Dabei sollte man darauf achten, dass sowohl die Butter als auch der Käse Zimmertemperatur haben. Dann zerdrückt und vermischt man beides einfach und isst es zu gebratenem Geflügel oder Schweinefleisch. Richtig lecker!

Man kann die Butter zusätzlich auch unterschiedlich würzen, auch wenn ich sie bereits in dieser einfachen Grundversion sehr gut finde. Zum Würzen schlage ich z.B. feingehackten, frischen Basilikum sowie ein wenig Olivenöl, Chili und einen Hauch Tomatenmark und Knoblauch vor.

Lieber Tommy,

ich danke dir ganz herzlich für das interessante Interview! Das war sehr nett von dir.

Für den New York Marathon 2017 drücke ich dir ganz fest die Daumen, den Weg dahin werde ich ganz sicher in deinem Blog weiter verfolgen.

Liebe Grüße

Annika

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