Karen Wiltner: Ist das Lipödem über Ernährung beeinflussbar?

Unser Gast ist heute Karen Wiltner, die mit ketogenem LCHF knapp 50 Kilo Gewicht verloren hat. Das ist umso erstaunlicher, als das Karen schon lange ein Lipödem hat. Bei einem Lipödem, so heißt es, ist eine Gewichtsreduktion nur schwer möglich. Denn Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung. Hauptsächlich im Rumpf, seltener auch an den Armen, kommt es zu starken Fettpolstern im Unterhautfettgewebe. Mit der Zeit verdicken diese Stellen und mitunter kommt es dadurch auch zu Problemen mit dem Lymphabfluss.

Karen schreibt auf www.living-keto.de über ihre Erfahrungen mit der Ernährungsumstellung bei Lipödem – und beantwortet uns heute einige Fragen rund um das Thema Lipödem und inwiefern eine ketogene Ernährung das Lipödem beeinflusst.

Liebe Karen, vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Magst du dich kurz vorstellen?

Vielen Dank, Anne und Annika, dass ich heute hier bei Euch sein und Eure Fragen beantworten darf! Ich bin Karen, aktuell noch 42 Jahre jung und wohne im wunderschönen Dresden. Dort arbeite ich bei einem mittelständischen IT-Unternehmen als Service-Managerin. Das heißt, ich betreue Webapplikationen für Kunden und sorge mit meinen Kollegen dafür, dass diese Applikationen immer so funktionieren wie erwartet.

Neben meinem Vollzeitjob bin ich leidenschaftlich gern Bloggerin auf meiner Seite living-keto.de. Angefangen habe ich mit dem Bloggen vor zwei Jahren, nachdem ich in meinem ersten Gastartikel bei Petra Mikaelsson über meine Geschichte schrieb.

Sie hatte damals bei Euch die Geschichte von Anne gelesen, und welche Erfolge sie mit LCHF bei ihrem Lipödem erzielen konnte. Interessant, wie sich manchmal der Kreis schließt, oder?

In meinem Blog schreibe ich viel über mich persönlich, meine Rezepte, Tipps und Tricks und was ich so herausgefunden und an mir ausprobiert habe, wie man das Leben mit Lipödem Stück für Stück verbessern kann.

Woran hast du gemerkt, dass etwas mit deinen Beinen nicht in Ordnung ist? Hattest du Schmerzen? Hast du lange auf die Diagnose Lipödem warten müssen? Wie war es für dich, als sie gestellt wurde? Wie wurdest du beraten, welche Therapie (Kompression, Lymphdrainage, Liposuktion, …) wurde dir vorgeschlagen? Hast du davon etwas umgesetzt? Wenn ja, was würdest du weiterempfehlen?

Ich habe mein Leben lang immer nur gedacht, ich wäre dick. Und die Schmerzen, die ich täglich hatte, würden eben vom dick sein kommen. Dass es so etwas wie ein Lipödem gibt, das weiß ich noch gar nicht so lange, erst seit 2012. Die ersten Ansätze des Lipödems habe ich vermutlich seit der Pubertät, spätestens jedoch seit der Geburt meiner großen Tochter im Jahre 1997.

Die Diagnose bekam ich auch eher beiläufig bei meinem Hausarzt. Er ließ so einen Begriff fallen den ich nicht verstand, ich traute mich aber auch nicht nachzufragen. Damals war ich bei jedem Arzt immer sofort eingeschüchtert. Erst Google öffnete mir danach die Augen. Anschließend ging ich dann noch zu meinem Phlebologen, den ich aber auch erst danach fragen musste. Er machte eine Ultraschalluntersuchung und bestätigte die Diagnose. Was man dagegen machen könne? Nichts, sagte er, nur eine Liposuktion könne da helfen. Eine Beratung gab es also nicht. Ich bekam weder Lymphdrainage noch Kompression, und habe mich da schon etwas allein gelassen gefühlt.

Erst als ich mich im Sanitätshaus mal beraten lies, wurde mir mitgeteilt, was ich denn so alles beantragen könne, und das habe ich dann auch gemacht. Mit der neuen Kompressionsstrumpfhose ging es mir wirklich besser. Eine Lymphdrainage hatte ich bis heute nicht, das werde ich aber in diesem Jahr noch nachholen.

Ich kann jeder Frau nur empfehlen, da hartnäckig dranzubleiben, auch wenn die Ärzte irgendwie keine Lust und keine Zeit haben für eine Beratung. Die beste Beratung bekommt man nach meiner Erfahrung in einem guten Sanitätshaus, zu allen Fragen rund um Kompression, Lymphdrainage und allem anderen.

Über Ernährung sollte man mit Ärzten lieber nicht reden, da habe ich bisher nur solche Empfehlungen bekommen wie nicht so viel zu essen, und doch bitte immer schön nach DGE-Empfehlung. Geht es um eine ketogene Ernährung, stößt man eher auf taube Ohren.

Du ernährst dich seit 2,5 Jahren ketogen. Wie bist du zu dieser Ernährung gekommen und was hat sich seither verändert? Gab es andere Maßnahmen die du ergriffen hast?

So ganz genau weiß ich gar nicht mehr, wie ich zur ketogenen Ernährung gekommen bin. Ich hatte vorher schon knapp 20kg mir 10wbc abgenommen, das ist eine Low-Carb-Ernährung. Danach ging aber nichts mehr weiter. Ich habe im Internet recherchiert, welche Möglichkeiten es noch gibt, und woran es liegen könnte, dass es mit Low Carb nicht mehr klappt.

Dabei muss mir irgendwas mit der ketogenen Ernährung untergekommen sein, wo es „Klick“ gemacht hat.

„Klar, das ist es! Ganz logisch, Du musst Fett essen, um Fett zu verlieren!“

Denn das war es, was ich nach 10wbc wieder reduziert hatte. Also habe ich weiter Informationen gesammelt und dann im Sommer 2015, nach unserem Sommerurlaub, mit der ketogenen Ernährung angefangen.

Mit der ketogenen Ernährung bin ich aktuell sehr glücklich und zufrieden, ich komme super damit zurecht und vermisse überhaupt nichts. So bin ich auch durchgängig in Ketose und habe vorerst nicht vor, daran etwas zu ändern. Wenn mir danach ist und ich das Gefühl habe ich brauche das, gibt es auch mal mehr als 30 g KH am Tag, vielleicht 50 g oder so. Das ändert aber inzwischen nichts mehr an der Ketose. Ich teste das auch immer mal wieder aus und merke ganz schnell, dass die Müdigkeit und Trägheit mit mehr als 50g KH sofort wieder zurückkommt.

Anfangs gab es nur Keto, und keine anderen Maßnahmen. Die Umstellung war für mich schon herausfordernd genug. Ich habe dabei wieder gelernt, auf meinen Körper zu hören und zu bemerken, wann es ihm gut geht und wann nicht. So kam ich darauf, dass ich verschiedene Lebensmittel nicht vertrage, und habe die Ernährung dahingehend optimiert.

Später kamen dann einige Nahrungsergänzungsmittel dazu, Vitamin D und K2, später noch B12. Und ich bin bei meiner Suche nach Lösungen für das Lipödem auf Steinklee gestoßen.

Mein Artikel „Natürliche Hilfe bei Lipödem“ hat ziemliche Wellen geschlagen. Von Shitstorms wie „behaupte doch nicht, sowas würde helfen, es gibt nur die Liposuktion!“ bis „das muss ich sofort ausprobieren“ war alles dabei. Viele Leser stürmten die Apotheken, so dass die Steinklee-Kapseln bald nicht mehr verfügbar waren.

Mir haben die Steinklee-Kapseln sehr geholfen, ich glaube ohne sie wären meine Beine jetzt immer noch so dick wie früher. Stattdessen haben sie jetzt bald Normalmaße. Der Unterschied zwischen Ober- und Unterteilen beträgt gerade mal eine knappe Kleidergröße. Früher waren das eher 2-3. Und die einzigen Stellen, an denen sich noch etwas Lipfett befindet, ist direkt über den Knien. Auch das bekomme ich noch weg.

Karen Wiltner: vorher von hinten, nachher von vorne

Wow, nur noch eine knappe Kleidergröße Unterschied, das ist großartig! Hat sich auch sonst etwas verbessert? Wie ist es beispielsweise mit Hormonen, wurdest du daraufhin untersucht?

Meine Endokrinologin hat regelmäßig sehr umfangreiche Bluttests bei mir gemacht, um zu checken, ob alles in Ordnung ist. Auch die Hormone, Vitamine und Mineralstoffe hat sie anstandslos auf Krankenkassenkosten testen lassen. Danach stelle ich dann immer mal wieder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ein. Inzwischen auch zusammen mit meinem Heilpraktiker, der die Wirksamkeit kinesiologisch testet. Ich habe phasenweise sehr viele Nahrungsergänzungsmittel genommen. Nicht weil die ketogene Ernährung so ungesund ist, sondern weil ein Lipödem-Körper sehr viel mehr Vitamine und Mineralstoffe braucht als ein gesunder. Durch ein Leaky Gut konnte ich überhaupt nicht alle Nährstoffe aus dem Essen aufnehmen.

Meinen Darm konnte ich mit Hilfe meines überaus fähigen Heilpraktikers und Kinesiologen wieder auf Vordermann bringen. Während meine Endokrinologin meinen Hormonhaushalt für super befand, stellte mein Heilpraktiker sehr viele Mängel fest, die ich dann entsprechend seiner Empfehlungen auch ausgleichen konnte. So ist inzwischen auch der Progesteronmangel behoben und tatsächlich alle Hormone im Gleichgewicht.

Wenn ich Bilder von dir sehe, dann bestätigen sie deinen großen Erfolg! Magst du uns erzählen, wieviel du inzwischen abgenommen hast und wie sich das auch auf die vom Lipödem betroffenen Stellen ausgewirkt hat? Merkst du noch andere gesundheitliche Verbesserungen, nicht nur in Bezug auf das Lipödem?

Danke! Ja, ich bin inzwischen auch selbst sehr stolz auf mich, das hat durchaus eine ganze Weile gedauert. Zum heutigen Tage sind es 49 kg, die ich seit 2013 abgenommen habe. Damals hatte ich mein Höchstgewicht von 127,5 Kilo heute sind es 78,5. Damit habe ich bei einer Größe von 1,73 m noch immer Übergewicht, wenn man nach den üblichen Tabellen geht. Doch mich stört das nicht, und mir ist es inzwischen auch egal, ob ich noch ein paar Kilo abnehme oder nicht.

Mein Körper verändert sich noch immer enorm. Meine größten Problemstellen waren ja immer die Arme, der Bauch, der Po und die Beine. An fast allen Stellen, wo sich früher das Lipödem befand, sind jetzt leere Fettzellen. Am Bauch, am Po und an den Armen habe ich fast kein Unterhautfettgewebe mehr, nur noch Haut. Auch an den Beinen habe ich die Lipödem-Fettzellen nur noch am Oberschenkel, über dem Knie. Aber auch das wird langsam weniger, wobei ich dafür dann doch jetzt langsam zu drastischen Mitteln wie Sport greifen muss.

Inzwischen strafft sich auch die Haut, am Bauch und auch an den Beinen, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich mache jetzt nicht besonders viel Sport, da man mir ja immer gesagt hat, bei Lipödem sollte man das lieber lassen. So langsam sehe ich aber tatsächlich an den Beinen auch die ersten Muskeln. Wer Lipödem hat, weiß, was das bedeutet. Denn normalerweise ist die Fettschicht über den Muskeln so dick, dass das gar nicht möglich ist, und man noch nicht einmal Muskeln erahnen kann.

Auch sonst werde ich durch die ketogene Ernährung und alle Behandlungen drumherum (zum Beispiel durch meinen Heilpraktiker) einfach nur gesund. Ich habe ja auch Hashimoto mit Schilddrüsenunterfunktion. Die Werte haben sich absolut stabilisiert und normalisiert, auch die Knoten an meiner Schilddrüse sind verschwunden. Ich bin nicht mehr so vergesslich wie früher und kann mich sehr viel länger und viel besser konzentrieren. Das hilft mir auch auf Arbeit. Ich bin insgesamt fitter, ich konnte meine Betablocker absetzen und schnaufe nicht mehr wie ein Walross, wenn ich durch die Gegend laufe :D

Mein Leben hat sich mit der ketogenen Ernährung also um 180 Grad gedreht und verbessert. Ich bin glücklich und zufrieden mit mir und meinem Leben – auch das war nicht immer so.

Treibst du Sport? Gibst du Sport einen großen Anteil an deinem Erfolg? Zu welcher Art von Sport würdest du Betroffenen raten?

Nein, Sport hat so gar keinen Anteil an meinem Erfolg, da ich nur selten und sporadisch mal welchen gemacht habe. Das ist jetzt schon anders, jetzt mache ich täglich etwas Kleines, mal ein Workout, etwas Yoga. Oder einfach nur von der Arbeit nach Hause laufen, statt mit der Straßenbahn zu fahren.

Da es beim Lipödem darum geht, die Durchblutung zu unterstützen, kann ich jedem Wandern und Nordic Walking empfehlen. Auch Schwimmen, Aqua Biking oder Aqua Fitness ist super. Für Krafttraining sollte erst das Lymphsystem gut entstaut und auf Vordermann gebracht sein, ansonsten funktionieren die kleinen Kapillaren im Lymphsystem nicht und man macht alles nur noch schlimmer. Eine gute Durchblutung ist das A und O. Wollte ich früher nie glauben, ist aber so. Und bei jedem Sport immer die Kompressionsstrumpfhose anziehen, auch wenn man die vielleicht nicht mag.

Denkst du, dass sich das Lipödem wieder verschlechtern würde, falls du zur alten Ernährung zurückkehren würdest?

Ja, da bin ich mir absolut sicher. Ich glaube, mein Körper will das ganze getreide- und stärkehaltige Zeugs einfach nicht. Das merke ich jedes Mal, wenn ich dann doch probehalber mal teste. Zumindest fühlt er sich jetzt pudelwohl mit der ketogenen Ernährung 😊

Was rätst du Frauen, die gerade erst mit der Diagnose konfrontriert wurden? Womit würdest du starten? Was ist aus deiner Sicht wichtig für einen erfolgreichen Start und das Durchhalten unterwegs?

Nicht verrückt machen lassen und keine Panik bekommen. Diese Diagnose ist weder ein Todesurteil, noch bedeutet sie, dass man auf vieles im Leben verzichten muss.

Ich sehe es so, dass unser Körper ganz verzweifelt mit verschiedenen Mitteln versucht uns klar zu machen, dass ihm etwas nicht passt, und wir entgegen seiner Bestimmung leben. So werden wir krank. Und bei seinen Versuchen wird er eben immer lauter, die Entzündungen im Körper werden schlimmer und schmerzhafter. Bis sie bald nicht mehr auszuhalten sind. Nur damit wir endlich anfangen, wieder auf ihn zu hören.

So eine Diagnose kann auch eine Chance sein, eine Chance auf ein besseres Leben, im Einklang mit sich und der Welt. So ist es jedenfalls jetzt für mich.

Ich würde jetzt genauso starten wie vor 2,5 Jahren: Ab ins Sanitätshaus, Kompressionsstrümpfe holen. Nur würde ich diesmal auch gleich dafür sorgen, dass ich eine regelmäßige Lymphdrainage bekomme. Außerdem würde ich mit der ketogenen Ernährung anfangen und mich damit beschäftigen, welche Nahrungsmittelunverträglichkeiten ich habe. Bei mir sind das Gluten, Fruktose und Laktose – wäre ich da mal eher drauf gekommen, wäre das Lipödem vielleicht gar nicht so schlimm geworden.

Man sollte mit LCHF oder der ketogenen Ernährung nicht als Diät zum Abnehmen beginnen, um dann danach wieder ins „normale“ Leben zurückkehren zu wollen. Wir haben das Lipödem nicht umsonst bekommen. Es ist unter anderem das Ergebnis falscher Ernährung, die massive Entzündungen im Körper ausgelöst hat. Wenn man die Umstellung zur ketogenen Ernährung langsam angeht und als langfristig betrachtet, fällt das Durchhalten unterwegs sehr leicht.

Wichtig finde ich noch, sich Verbündete zu suchen, mit denen man sich austauschen kann. So wie bei Euch im LCHF-Forum oder bei mir in der Facebook-Gruppe.

Einen weiteren Tipp hätte ich noch:

Sucht Euch einen fähigen Heilpraktiker mit Kenntnissen in der angewandten Kinesiologie und lasst Euch hier zusätzlich unterstützen.

Lipödem, und erst recht die ketogene Ernährung wird oft noch belächelt und von Ärzten und der Allgemeinheit nicht ernst genommen. Mitunter schlägt einem sogar harsche Kritik entgegen. Wie gehst du damit um, und was rätst du Skeptikern?

Ich habe Keto bei vielen Ärzten angesprochen und wurde belächelt. Ich habe deren Ratschläge ignoriert und einfach weitergemacht, so wie es mir guttat. Inzwischen gibt es aber doch immer mehr Ärzte, die auch die ketogene Ernährung empfehlen. Ein Arzt ist kein Ernährungsberater, das sollte man nie vergessen. Ernährungslehre ist glaube ich auch kein Bestandteil eines Medizinstudiums. Wenn also ein Arzt aufgeschlossen gegenüber der ketogenen Ernährung ist, dann nur, weil er sich privat damit beschäftigt hat.

Die harsche Kritik in Bezug auf Lipödem und ketogene Ernährung kommt meiner Erfahrung nach hauptsächlich von anderen Betroffenen, die selbst felsenfest der Überzeugung sind, es gibt nur die Liposuktion und nichts anderes. Das sind Frauen, die jemanden als Konkurrenz empfinden, der es auf anderem Wege geschafft hat. Als Konkurrenz für das Vorhaben, endlich die Liposuktion von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen. Wenn da jetzt jemand kommt und behauptet, es ginge auch ohne Liposuktion, ist das doch das Schlimmste überhaupt.

Ernährung ist nicht alles. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Welche sind für dich die Wichtigsten? Was kann jeder selbst tun, um seine Situation zu verbessern?

Das Lipödem ist nach meiner bisherigen Erkenntnis ein Symptom einer Mitochondriopathie, und damit einer Multiorganerkrankung. So sollte man das auch angehen. Mit der ketogenen Ernährung kann man sehr gut die Entzündungen im Körper reduzieren und damit auch den Weg frei machen für weitere Behandlungen. Die Ernährungsumstellung alleine wird aber vermutlich nicht ausreichen.

So habe ich inzwischen eine Korrektur meines Atlaswirbels durchführen lassen. Dieser stand vermutlich seit meinem Autounfall mit 20 Jahren schief, was massive Auswirkungen auf das gesamte vegetative Nervensystem hatte. Mein Körper kam quasi durch die ständigen Nervenreizungen nie mehr zur Ruhe.

Außerdem habe ich einige Behandlungen bei meinem Heilpraktiker bekommen, die meinen Bauchraum wieder „aufgeräumt“ haben. Viszeralbehandlung nennt sich das. Da werden die inneren Organe wieder an den Platz befördert wo sie hingehören und animiert, wieder zu funktionieren. Bei mir betraf das hauptsächlich den Darm. So war der dermaßen untereinander verklebt, dass eine normale Darmfunktion ausgeschlossen war. Nach dieser Viszeralbehandlung funktionierten dann auch einige Muskeln wieder bestimmungsgemäß, vor allem in den Oberschenkeln. Es ist verrückt, wie alles im Körper miteinander verkettet ist.

Neben solchen funktionalen Behandlungen sollte man auch die Ruhe und die Entspannung nicht vergessen. Ausreichend Schlaf und jeden Tag etwas weniger Hektik und weniger Aufregung tun uns sehr gut. Da kann jeder auch für sich selbst daran arbeiten.

Gibt es rückblickend etwas, was du anders machen würdest? Oder, anders gefragt: worauf würdest du nicht mehr verzichten wollen?

Nein, ich würde nichts anders machen, ich würde mit vielen Dingen vielleicht nur eher anfangen und nicht so zögerlich sein.

Worauf ich nicht mehr verzichten will? Das Gefühl zu haben, endlich wieder zu leben. Und zwar mein eigenes Leben 😊

Karen Wiltner: Vorher und nachher

Wirst du bei der ketogenen Ernährung bleiben? Würdest du sagen, du hast dein Ziel erreicht oder möchtest du noch weiter?

Ja, ich denke ich bleibe bei der ketogenen Ernährung, so lange mein Körper das so will. Ich kann ja nicht beurteilen wie das wird, wenn er mal alle seine Baustellen aufgeräumt hat. Vielleicht gefällt ihm das Leben mit LCHF oder was auch immer dann besser? Wir werden es sehen, ich höre da auf jeden Fall auf meinen Körper.

Rein gewichtsmäßig hatte ich mir nie ein Ziel gesetzt, das ich irgendwie erreichen müsste. Und auch was das Aussehen angeht, so wollte ich nie eine ganz bestimmte Kleidergröße haben.

Ich habe mein Ziel erreicht, ja. Und zwar das Ziel, dass ich stolz auf mich bin, dass ich mich selbst lieben kann, dass ich meinen Anblick im Spiegel mag und nicht nur ertrage. Es ist alles gut so, wie es ist. Und wenn sich etwas ändert, wird es auch wieder gut sein, da ich nichts mehr tue, was gegen meine Natur ist. Die Quittung bekomme ich von meinem Körper ja immer wieder sofort. Sei es in Form von Kopf- oder anderen Schmerzen. Da kennt der keine Gnade 😉

Und diese ganze Entwicklung über die Jahre hat dazu geführt, dass ich mich wohl auch beruflich noch einmal verändern werde. So befinde ich mich gerade in einer Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie und spezialisiere mich dabei auf Burnout und Essstörungen. Also die Themen, die auch mich begleitet haben. Ab Mitte diesen Jahres werde ich bereits für einige Stunden in der Woche als psychologischer Berater und Life-Coach arbeiten und gerne anderen Frauen dabei helfen, das zu erreichen, was ich erreicht habe. Der Zeitpunkt steht noch nicht ganz fest, doch ich freue mich schon jetzt sehr darauf! Das wird ein wunderbarer neuer Abschnitt in meinem Leben.

Liebe Karen, ganz herzlichen Dank für das Interview und den Einblick, den du uns gewährt hast! Danke, dass Du zur Aufklärung über die Erkrankung Lipödem beiträgst und betroffenen Frauen einen Lösungsweg aufzeigst. Wir wünschen dir von Herzen alles Gute!

Karen Wiltner lebt in Dresden und ist Mutter zweier Töchter. Beruflich ist sie im IT-Bereich zuhause, leidenschaftlich lebt sie aber seit 2016 zudem ihr Keto-Leben.

Zitat von Karens Webseite:

Für mich ist die ketogene Ernährung keine Diät, mit der ich in einer bestimmten Zeit ein bestimmtes Gewicht erreichen möchte. Das Gewicht sehe ich als „Nebenwirkung“ an.  

Für mich ist es eine Lebenseinstellung. Ich darf es mir erlauben, endlich wieder zu leben…

 

Karens Webseite:

Living Keto